Gut lesen, gern lesen, viel lesen – ein Bericht vom Oberfränkischen Schulentwicklungstag

Über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Schularten, Vorbereitungen seit April, ein mehr als vielfältiges Workshop-Angebot, das vom Lesehund als Co-Pädagogen über emotionale Zugänge bei Lektüren bis hin zur Erstellung von digitalen Büchern reicht – dies waren die Rahmenbedingungen für den Oberfränkischen Schulentwicklungstag 2019. Jedes Jahr findet er statt, diesmal am Schulzentrum in Kronach, und er war heuer einem zentralen Element der Schul- und Qualitätsentwicklung, der Leseförderung, gewidmet.

Umgang mit Lehrwerktexten

Der Gastredner des Hauptreferats ist am WGG spätestens seit dem Pädagogischen Tag am Schuljahresbeginn bestens bekannt: Professor Johannes Leisen stellt in seinem Vortrag „Verstehen lernen mit Fachtexten – Fachtexte verstehen lernen“ unter anderem verschiedene Lesestile vor.

Der Erstkontakt des Lernenden mit dem Text erfolge durch das orientierende Lesen; dies geschehe im eigenen Tempo und sei noch nicht darauf ausgelegt, alles verstehen zu wollen. Durch das scanning, die selektive Phase, macht sich der Schüler mit dem Text vertraut. Für die dritte Etappe, das intensive Lesen, müssen Leseaufträge erstellt werden. Leisen empfiehlt hier einen niederschwelligen Einstieg, der beispielsweise darin bestehen könnte, bestimmte Wörter zu unterstreichen. Mit steigendem Anspruch werden höherschwellige Aufgaben bearbeitet, sodass am Ende schließlich Zwischenüberschriften für den Text gefunden werden können.

Abschließend stellt Leisen das analoge und das digitale Lesen einander gegenüber. Sein Fazit: Ein Vergleich ist eigentlich nicht möglich, es werden völlig unterschiedliche Textkompetenzen erworben. Denn während bei der analogen Vorgehensweise das Lesen in die Tiefe trainiert wird, setzt die digitale Methode auf Lesen in die Breite.

Lese-Tandems

Die zwei Workshop-Phasen, die sich anschlossen, fanden dann in Kleingruppen, aber ebenfalls schulartübergreifend statt, sodass man sich mit Kollegen austauschen konnte. Und natürlich stand auch jetzt das Thema Leseförderung im Mittelpunkt. Zunächst mit der Idee, Lesetandems zu bilden; eine Methode, die insbesondere für die Unterstufe geeignet ist, wo der Übergang vom Fingerlesen zum Flüssiglesen manchmal noch größere Probleme bereitet. Schülerinnen und Schüler mit etwa gleichen Lesefähigkeiten und gleichem Lesetempo werden zu Tandems zusammengestellt. Wer die Texte etwas flüssiger erfasst, ist der sogenannte Trainer, der andere schlüpft in die Rolle des Sportlers. Nach einiger Zeit können die Rollen vielleicht getauscht werden. Möglichst 15 Minuten wird mehrmals pro Woche zu zweit im Chor gelesen, man verbessert sich gegenseitig. So wird nebenbei auch der soziale Zusammenhalt gestärkt.

Sagenhafte Lesenächte

Eine andere Idee stellten zwei Lehrkräfte aus Kronach vor: Die Lesenacht mit ihrer Klasse verknüpften sie mit dem Motiv „Sagen“. Eingeplant hatten sie dafür eine Übernachtung in der Jugendherberge vor Ort. Bei einer Nachtwanderung durch Kronach wurde immer dort Station gemacht, wo eine Sagengestalt gelebt bzw. gewirkt hat. An genau dieser Stelle wurde die Sage dann vorgelesen. Am nächsten Vormittag folgte eine kreative Phase: Die Fünft- bzw. Sechstklässler wählten eine der am Vorabend gehörten Geschichten aus und stellten die Handlung in einem Karton mit kleinen selbstgebastelten Handpuppen und einigen wenigen Requisiten nach. Auf spielerische Weise kommt man so dem Ziel – gut lesen, gerne lesen, viel lesen – vielleicht wieder ein Stück näher.

OStRin Silke Sachs