Kann man in Zeiten wie diesen ein beschwingtes Konzert zum Schuljahresende durchführen? Krisen, Krieg, Corona, Sorgen allenthalben – ist es da angemessen, die Sommerserenade des WGG wie geplant stattfinden zu lassen? Alle Beteiligten und Verantwortlichen überlegten und diskutierten lange über diese Fragen und beantworteten sie am Ende mit einem „Ja“ sowie einem „aber“.
Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann erläuterte in ihrer Begrüßung beide Antworten: das „Ja“ steht für den festen Willen, auch in schwierigen Zeiten nicht die Hoffnung zu verlieren und ein wenig Zuversicht mit Hilfe der Musik zurückzugewinnen; das „aber“ steht für die persönliche Entscheidung, an der Serenade teilzunehmen oder nicht. Nach der kurzen, aber intensiven Probenzeit beschlossen die meisten der jungen Künstler, auch am Abend dabei zu sein, und viele Besucherinnen und Besucher ließen sich die Visite im Atrium des WGG ebenfalls nicht entgehen.
Begrüßt wurden sie von der Bläserklasse der Schule unter Leitung von Florian Niedrig und „When the Saints go Marching in“ – Heilige kamen im Lauf des Abends zwar nicht auf die Bühne, aber engagierte Schülerinnen und Schüler, die auch unter den komplizierten Verhältnissen der beiden letzten Jahre der Musik, den Ensembles und Chören treu geblieben waren und jetzt endlich wieder auftreten wollten.
Nach der offiziellen Begrüßung kam die Bläserklasse (Teil der Klasse 5db) zu ihrem zweiten Auftritt, dieses Mal nicht brav, sondern cool und lässig, passend für den „Hard Rock Blues“. Sanft und gefühlvoll interpretierte Lorena Leitert danach Stings „Fields of Gold“ und regte schon einmal zum Träumen an. Der Chor der Klassen 5a, 5b und 5c unter der Leitung von Tabea-Stephanie Amtmann entführte die Zuhörerinnen und Zuhörer auf eine Traumreise bei „Ukuthula“ (Fjarill) in eine Welt des Friedens – nichts anderes heißt Ukuthula nämlich. Der Weg vom lauen Sommerabend in Selb zu einem solchen in Spanien war kurz, als Jeroen Sigl (9bs) beim Stück „Asturias“ seine Fähigkeiten auf der Gitarre bewies. Spanien, Sonne und Strand – die perfekte Überleitung zu Chris Reas „On the Beach“, das die Jazz-AG unter der Leitung von Mathias Elser nach einigen technischen Anlaufproblemen gewohnt routiniert und sommerlich entspannt aufführte. Und dann gingen alle Augen nach oben: erst war nur die Musik zu hören, dann hoben sich die Vorhänge im Atrium und Johannes Pufe und Philipp Roßner (beide Q11) waren an ihren Klavieren im 1. Stock zu sehen, von wo aus sie mit einem Tanz aus „Petruschka“ von Igor Strawinsky glänzten.
Ein kleines, aber sehr feines Vokalensemble ist zurzeit in der Q11 des WGG angesiedelt, wie die vier Schülerinnen bei ihrem genauso gefühl- wie ausdrucksvollen Auftritt und dem Titel „Oh my God I cry in the Daytime“ bewiesen. Linn Glinski blieb direkt auf der Bühne für ihr Solo; mit dem Song „Get here“ in der Version von Oleta Adams erinnerte sie an einen anderen Traum, nämlich den, einen geliebten Menschen wiedersehen zu dürfen, egal wie weit weg er zu sein scheint. Eine ganz andere Tonlage bot Felix Lutter (Q11), der mit seinem Akkordeon für Staunen unter den Besuchern sorgte.
Der folgende Auftritt war ein ganz besonderer: Mariia Golovko ist Schülerin in der Willkommensklasse des WGG, wo ukrainische Flüchtlingskinder etwas Alltag spüren und Ablenkung von den Nachrichten aus ihrer Heimat erfahren sollen. Eine ihrer Leidenschaften ist der Gesang, das stellte sie unter Beweis, als sie gemeinsam mit der Schülerband Underground „Layla“ zum Besten gab – nicht das aktuelle Volksfestlied, sondern den Klassiker von Eric Clapton, der in manchen Momenten selbst auf der Bühne im WGG zu stehen schien, so nahe kam sie an das Original heran. Ganz anders und doch genauso spannend war es, das Duo Noah Siebenhaar und Johannes Pufe mit Saxophon und Klavier zu erleben, als sie bei Franco Micalizzis Filmmusik „What’s Goin On“ einen musikalischen Ausflug nach Brasilien unternahmen.
Melancholisch-sentimental ging es in den Abschluss des Abends, Marie Stöhr (Q11) machte sich gemeinsam mit dem Instrumentalensemble Gedanken über die Liebe zu Amy Winehouse‘ „Love is a Losing Game“. Und zum Schluss wurde der Traum vom Auftritt auch noch für den Mittel- und Oberstufenchor wahr, mit Pinks „A Million Dreams“ rundete er die Serenade perfekt ab. Viele Träume wurden an diesem Abend lebendig, einer wird sicher die Zeit überdauern: so schön die Zeit war, die nächste Sommerserenade findet hoffentlich wieder unter normalen Umständen statt.
Ein besonderer Dank ging zum Ende der Serenade neben allen Mitwirkenden auf der Bühne an die Musiklehrkräfte Florian Niedrig, Mathias Elser und Tabea-Stephanie Amtmann, die durch ihre Arbeit während der Probenzeit dafür sorgten, dass der Abend so viele besondere Momente bot.
OStR Jens König;
Foto: Dr. Jürgen Henkel

