Die Kinder auf ihrem Weg begleiten

„Ein mächtiges Gerät haben unsere Kinder in der Hand und Macht braucht Verantwortung“, mit diesen Worten eröffnet Martin Glinski vom Elternbeirat den zweiten Informationsabend im Rahmen des Pilotprojekts, an dem das WGG neben 11 anderen Gymnasien in Oberfranken teilnimmt. Wie können Eltern in dieser neuen Phase des Lebens ihren Kinder Unterstützung zukommen lassen, so lautet die entscheidende Frage.

Mit einem Überblick über die Genese des bisher Erreichten eröffnete OStDin Tabea-Stephanie Amtmann die Veranstaltung und betonte in ihrem Bericht, dass die beteiligten Klassen mit Spaß und Begeisterung bei der Sache seien.

Folgende Teilziele stehen im zweiten Halbjahr im Fokus:

  • Sicheres Bedienen der Geräte und routinierter Umgang mit GoodNotes
  • Einrichten eines FAQ-Bereichs auf der Homepage
  • Weiterausbau des Glasfaseranschlusses, der sich momentan noch etwas verzögert
  • Handreichung für die Eltern

Digitale Transformation

Roman Eberth, der als medienpädagogischer Berater zum wiederholten Mal zu Gast am WGG ist, stellte anschließend das Pilotprojekt in einen größeren Zusammenhang. Auch er betonte die eingangs erwähnte Verantwortlichkeit und die schwierige Einschätzbarkeit des Prozesses. An einem Beispiel veranschaulichte er seinen Gedankengang: „Die jetzigen Fünfklässlerinnen und Fünftklässler werden in Berufen arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt. Wie sollen wir Lehrkräfte sie darauf vorbereiten?“ Seine Antwort zielt auf die Überlegung ab, wo die Lernenden ihre Interessen und Stärken haben. Diese gelte es zu fördern. Für 30 Kinder in einer Klasse dasselbe Material anbieten, hält er für überholt – und sieht in der Digitalisierung große Chancen für die Binnendifferenzierung.

Die Infrastruktur optimieren, andere Werkzeuge und Methoden einsetzen, den Verwaltungsbereich digitalisieren und im Kollegium, mit den Eltern, ja über Schulgrenzen hinweg kooperierend arbeiten – in diesen Bereichen „muss sich viel tun“, so Eberth. Und er unterstrich: „Lehrer und Eltern müssen offen für Neues sein.“ Eine wichtige Rolle komme in diesem Prozess dem Elternbeirat als Vermittlungsinstanz zu.

„Alle immer online?“

Mit dieser schlagkräftigen Überschrift eröffnete OStRin Christina Schott, studierte Medienpädagogin und Lehrerin für Biologie und Chemie vom Gymnasium Burgkunstadt, ihren Vortrag. 241 Minuten sei ein Kind momentan im Durchschnitt online und die Kontrolle über die vor dem Bidlschirm verbrachte Zeit werde immer schwieriger, fasste Schott die Situation zusammen.

Als Gründe für die Faszination nannte sie vor allem die Möglichkeiten, die sich auf der „Spielwiese“ der digitalen Welt den Kindern auf ihrer Suche nach der eigenen Identität bieten: Die Heranwachsenden können Bestätigung finden, sich ausprobieren und sich vor allem auch im digitalen Raum von den Eltern abgrenzen.

Welche Faktoren beeinflussen die Mediennutzung?

  • Entwicklungsstand des Kindes
  • Medienangebot
  • Soziales Umfeld mit der entscheidenden Frage „Was sehen die anderen?“
  • Einfluss des Elternhauses

 Entscheidend sei es, die Medienkompetenz zu fördern: Einen selbstbestimmten Umgang mit den digitalen Geräten zu erreichen, der nicht durch die Freunde beeinflusst ist, und zugleich in der Lage sein, mediale Entwicklungen kritisch zu reflektieren, so das Ziel. Bei der wichtigen Forderung, Medien aktiv und kreativ zu nutzen könne die Schule helfen, beispielsweise mit dem Verfassen von E-Books.

Handlungstipps

Schott fasste die wichtigsten Prinzipien der Medienerziehung in wenigen, einprägsamen Schlagworten zusammen

Schützen und Vorbild sein: Aktiv forderte Schott die Eltern auf, sich selbst die Frage zu stellen, was es bedeutet, Medien sinnvoll zu nutzen.

Zuhören und Unterstützung anbieten

Aufklärung und Orientierung geben

Gemeinsam Regeln vereinbaren und die Mediennutzung reflektieren: In diesem Zusammenhang können auch technische Unterstützungsmaßnahmen genutzt werden, die aber nicht als Überwachungsmechanismen eingesetzt werden sollen, sondern in Absprache mit den Schützlingen festgelegt werden.

Kompetentes Handeln vermitteln

Das iPad sicherer machen

Matthias Müller vom Elternbeirat stellte anschließend die verschiedenen Einschränkungsmöglichkeiten vor.

  • Regulierung der Bildschirmzeit
  • Geführter Zugriff: Hier ist es möglich, für beispielsweise eine halbe Stunde den Zugriff auf eine App einzuschränken
  • Familienfreigabe
  • Jamf Parents App

Fragerunde: So geht der Weg weiter

Künftig stehen die Lehrkäfte OStR Stefan Meyer, StRin Anke Saalfrank und OStRin Stefanie Spangler vom Medienteam zu festen Zeiten für Fragen der Eltern und bei technischen Problemen der Kinder zur Verfügung; eine weitere Kontaktaufnahme sei jederzeit auch übers Elternportal oder das Sekretariat möglich, so unterstrich Amtmann.

Da immer mal wieder ein Stift nicht mehr funktioniert und die Beschaffung eines neuen etwas Zeit in Anspruch nimmt, wird die Schule einige Leih-Pencils zur Verfügung stellen, die für diese Fälle leihweise genutzt werden können.

Zur technischen Auf-/Ausrüstung erklärte Stefan Meyer, dass ab März in jedem Klassenzimmer ein sogenannter Access Point, der das WLAN-Signal verstärkt und so das Internet verbessert, eingerichtet wird.

Die App Jamf Parents wird vom Medienteam geprüft, bisher liegen aber keine Empfehlungen von anderen Schulen vor.

Die Frage nach der derzeitigen Nutzung des Tablets beantwortete Anke Saalfrank mit einem Überblick über Unterrichtsbeispiele aus den Fächern Englisch und Deutsch: Neben GoodNotes als Heftersatz kommen Quiz Apps, Zuordnungsübungen und Vokabeltrainingseinheiten zum Einsatz. Dabei erhalten die Schülerinnen und Schüler immer auch sofort ein entsprechendes Feedback. Die Möglichkeiten der Binnendifferenzierung und des Eingehens auf jeden einzelnen Lernenden seien hier enorm, betonte Saalfrank.

Anke Saalfrank sieht in den Herausforderungen der Digitaliserung in erster Linie die Chancen, die sich durch Binnendifferenzierung und Individualisierung ergeben.

Wann soll ein Systemupdate ausgeführt werden? Hier lautet die Empfehlung, dies am besten zu Hause und in der Nacht durchführen zu lassen, da es einige Zeit in Anspruch nimmt. Für den App-Bereich setzt sich das Medienteam das Ziel, diese in der Schule zu aktualisieren.

Zur wichtigen Frage nach der Datensicherung gibt es folgende aktuelle Informationen:

Ab September 2023 soll es die bayernweite Lernplattform BayernCloud Schule – ByCS – an den Start gehen, dessen Cloudspeicher dann problemlos genutzt werden kann.

Bis dahin wird am WGG die App Qfile zur Datensicherung genutzt. Geplant ist, dass immer freitags eine dafür zuständige Lehrkraft gemeinsam mit der jeweiligen Klasse die Daten speichert.

Bei der Frage, wie erkrankte Kinder an Unterrichtsmaterialien und Hausaufgaben gelangen, verweist das Medienteam zum einen auf das System der Hausaufgabenboten und auch auf die Eigenverantwortung der Kinder. Darüber hinaus sei auf Moodle ein neues Zusatzmodul eingerichtet worden, der sogenannte „Studierendenordner“ – hier können von den Lernenden Arbeitsblätter und Informationen zu den Hausaufgaben hochgeladen werden. Einsehbar sind diese dann für die gesamte Klassen.

Wie geht es im nächsten Schuljahr in Sachen Pilotprojekt weiter? Wird es eine Fortsetzung geben? – Noch sei hier von offizieller Seite keine Entscheidung getroffen worden, so die Schulleiterin. Gemeinsam mit dem Kollegium überlege man aber bereits, welche Klassen in eine Verlängerung miteinbezogen werden.

Abschließend wies Stefan Meyer auf die kostenlosen Eltern-Workshops der Firma acs group hin, von der die Schülerinnen und Schüler die iPads per Sammelbestellung bezogen haben.Mit einem großen Dankeschön von Seiten der Schulleiterin an alle Beteiligten des Informationsabends und einem positiv stimmenden Fazit ging die Veranstaltung zu Ende: „Der Weg ist klar geworden.“

OStRin Silke Sachs