Sommer, Sonne, Serenade – und so vieles mehr

Sommer, Sonne, Serenade – am WGG gehört dieses Trio einfach zusammen. Während der letzten beiden Wochen des Schuljahres probten die Chöre und Ensembles fleißig, um für den großen Abend und den Auftritt am 23.7. im Atrium des Gymnasiums gut vorbereitet zu sein.

Liest sich als Anfang eines Berichts über die Serenade doch gut, oder? Lässt sich im Vorfeld auch schon einmal tippen, denn der Rahmen und der Ablauf sind ja zur Genüge bekannt: Dauer ca. eineinhalb Stunden, die verschiedenen Ensembles, AGs und Musikgruppen, die es am WGG gibt, präsentieren sich in einem gelungenen, runden Arrangement einem begeisterten Publikum vor und sorgen mit ihren Stücken für Vorurlaubsfeeling bei allen Beteiligten.

Tja, und dann kommt dieser Konzertabend und bringt fast minütlich alle Ideen und Konzepte für einen Text durcheinander – und zwar im positivsten Sinne! Wohl noch nie hat die Sommerserenade drei Zugaben erlebt (und es hätten nach dem Geschmack des Publikums sogar noch mehr sein dürfen) und gefühlt noch nie so lange hielten die Standing Ovations der Besucherinnen und Besucher an, um sich für einen einmal wieder ganz besonderen Abend zu bedanken.

Das Programm für einen solchen Abend will wohldurchdacht sein, es war deswegen ganz sicher kein Zufall, dass ihn das Orchester mit „Born to be Wild“ von Steppenwolf eröffnete, denn wann ist ein besserer Zeitpunkt, um sich auszutoben als in den bevorstehenden Sommerferien? Darauf wies auch Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann in ihrer Begrüßung hin, wie in einem richtigen Urlaub werde manche Überraschung im Verlauf der abendlichen Reise warten. Vielleicht nicht ganz überraschend, aber sehr erfreulich war der Auftritt des Vokalensembles aus der Q12 unter Leitung von Florian Niedrig, denn diese (Ex-)Schülerinnen und Schüler haben schließlich bereits ihr Abitur bestanden und sind für die Serenade extra noch einmal zusammengekommen. Vor gut vier Wochen wurden sie an gleicher Stelle verabschiedet, jetzt sangen sie gemeinsam „Unwritten“ (Natasha Bedingfield), passend zu ihrer Situation, denn wer weiß, was sie nun nach der Schulzeit alles noch erwartet.

Die Mädchen und Jungen aus der Bläserklasse der 6cb haben noch einige Jahre am WGG vor sich, sie bleiben den Musikensembles des Gymnasiums hoffentlich erhalten, zum Abschluss ihrer Zeit in der Bläserklasse präsentierten sie mit ihrem Lehrer Mathias Elser den Militärmarsch von Franz Schubert und das aktuell wieder populäre italienische Lied „Sarà perché ti amo“, also viel anspruchsvollere Stücke als zu Beginn der Zeit in der Bläserklasse. Nicht nur das Vokal-, auch das Instrumentalensemble der Q12 spielte noch einmal in der Schule zusammen, Branford Marsalis‘ „Mo‘ Better Blues“ verwandelte das Atrium ganz schnell in eine gemütliche Lounge, in der man sich samt (imaginärem) Getränk in der Hand zurücklehnen konnte, um die Musik zu genießen. Nicht unbedingt um das Urlaubs-, aber um ein anderes sehr schönes Gefühl, die Liebe, ging es im nächsten Stück, dem Beatles-Song „Eight Days a Week“, bei dem die Jazz-AG mit vielen neuen Gesichtern Mariia Golovko gekonnt begleitete. Noch viel besser brachte die Untermalung durch die Instrumente die Stimmung bei „From a Distance“ zum Ausdruck, das ebenfalls Mariia Golovko sang und das die meisten wohl in der Version von Bette Midler kennen. Ob im Urlaub oder im Alltag, nicht nur aus der Distanz sollten Harmonie und Verständnis herrschen, sondern auch im direkten Miteinander, die Botschaft kam an.

Keine Überraschung war ein Auftritt von Jeroen Sigl (11bse), auch nicht, dass er „Sevilla“ von Isaac Albéniz wie immer ganz souverän und meisterhaft auf der Gitarre präsentierte. Aber es ist schon bemerkenswert, dass es ihm jedes Mal gelingt, das Publikum mit auf eine Reise zu nehmen, so mancher war in Gedanken sicher schon auf dem Weg nach Andalusien. Auf eine noch viel weitere Reise nahmen Unterstufenchor und Instrumentalensemble alle bei „Kling Klang“ von Keimzeit mit: England, Feuerland, am besten gar nicht mehr zurück und wenn, dann nur mit vielen Leckereien und schönen Gedanken im Gepäck, das vermittelten nicht nur Text und Melodie, sondern auch die Mienen der Sängerinnen und Sänger – es ist einfach Urlaubszeit angesagt. Erinnerungen an vergangene Reisen und Menschen, die man lange nicht mehr gesehen hat, kam sicher bei „Memories“ (Maroon 5) auf, das der Unterstufenchor mit Florian Niedrig einstudiert hatte. Ferien- und Urlaubszeit ist oft auch Kinozeit, dazu passend spielte die Bläserklasse der 5. Jahrgangsstufe das Motiv aus „Jurassic Park“ und im Anschluss Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“. Mit beiden Stücken zeigten die Kinder, was für große Fortschritte sie im Lauf des Schuljahres als Ensemble bereits gemacht haben.

Einen großen Sprung wagte das Programm danach, aber er gelang: „The World We Created“ stammt von Queen und ist sicher einer der weniger bekannten, aber ein sehr eindringlicher Titel der Band. Mariia Golovko und Jeroen Sigl lenkten mit diesem Song den Blick darauf, dass es neben der Vorfreude auf sechs Wochen ohne Schule noch viele andere, leider ernste Themen auf der Welt gibt, die nicht vergessen werden dürfen – oft genug liegen Urlaubsparadiese und Armensiedlungen gar nicht weit auseinander, auf die Not in der Welt wollte Freddie Mercury hinweisen. Ein weiterer Sprung zurück führte zu einer anderen Art von Traum: Asli Ziegler performte zusammen mit Melina Groh, Levi Süß und Almila Türk „Jukebox Hero“ von Foreigner. Was leise und fast ein bisschen zurückhaltend begann, steigerte sich schnell und brachte nicht wenige Füße zum Mitwippen. Anschließend ging es erst ganz weit weg, als das Orchester den „Fluch der Karibik“ und die Piraten filmmusikreif nach Selb holte – und dort blieben alle, denn sie waren mit einem Mal um eine Woche in der Zeit zurückversetzt: das Vokalensemble kam noch einmal auf die Bühne und ließ mit dem traditionellen Abschlusslied „Kein schöner Land“ die besonderen Momente des Selber Wiesenfests lebendig werden. Bestimmt war der eine oder andere zunächst vom Rhythmus des Lieds überrascht, aber dann ergriffen (und summte leise mit) – anders kann man es eigentlich nicht beschreiben, mit wie viel Gefühl das Ensemble das Lied vortrug. Haben die sechs Mitglieder des Ensembles dabei vielleicht auch an ihre eigene Zeit gedacht und an die Hoffnung, sich schon im nächsten Jahr wieder beim Wiesenfest treffen zu können? Der folgende Applaus war mindestens so beeindruckend wie die Darbietung selbst und machte die deutliche Ansage „jetzt bitte nicht aufhören!“ Schluss war noch nicht, aber der Abend ging seinem Ende entgegen, das ließ sich nicht verhindern.

Zunächst war es Zeit, Danke zu sagen an die beiden Musiklehrer Florian Niedrig und Mathias Elser, die gemeinsam mit allen jungen Künstlerinnen und Künstlern diesen einzigartigen Abend auf die Beine gestellt hatten, aber auch an die Technik-Crew und alle Helferinnen und Helfer im Hintergrund, ohne die ein solches Konzert nicht zu realisieren wäre. Für das Abschlussstück kamen der Mittel- und der Oberstufenchor gemeinsam auf die Bühne, sie hatten sich „Vois sur ton chemin“ aus dem Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ ausgesucht, die Botschaft lautet: achte darauf, wohin Du gehst, nutze Deine Freiheit – und die wartet schließlich in wenigen Tagen auf alle Schülerinnen und Schüler. Dem der Originalfassung getragenen Lied folgte die überraschende zweite Version, die auch einen Bezug zu Urlaub hat: der DJ Bennett hat einen Sommerhit daraus gemacht, passend dazu waren plötzlich alle auf der Bühne mit Sonnenbrillen ausgerüstet und gaben beim Singen richtig Gas. Das Publikum ging sofort mit, aus dem Atrium wurde eine Urlaubsdisco. Klar, dass so ein Auftritt eine Zugabe verlangte! Wobei, was heißt eine? Und nicht nur eine Zugabe für den Chor, alle, die an diesem Abend schon auf der Bühne gestanden hatten, wurden noch einmal nach vorne gebeten.

Die erste Zugabe war „This is me“ von Keala Settle aus dem Film „Greatest Showman“ und eine Hymne an die eigenen Stärken, die zweite war noch einmal die aktuelle Fassung von „Vois sur ton chemin“ und weil auch die nicht reichte, folgte noch einmal „This is me“. Wie gesagt, wäre es nach dem Publikum gegangen, wäre aus der Sommerserenade wohl eine Sommernachtsserenade oder ein Sommernachtstraum geworden, aber irgendwann musste leider Schluss sein. Den Abschiedsschmerz lindert aber bestimmt der Gedanke an das nächste große Highlight: nur noch ein paar Mal schlafen, dann sind sie da – die Sommerferien!

OStR Jens König