Eine rekordverdächtig große Gruppe von Jugendlichen, begleitet von ihrer Betreuerin Héloise Winieski-Devolder von der Maison de la Jeunesse aus Beaucouzé, war Teil einer französischen Gruppe, die am diesjährigen Besuch in Selb teilnahm. So kam ein ganzer Doppeldecker voll über das lange Wochenende von Christi Himmelfahrt nach Selb, um in diesem Rahmen gemeinsam mit den deutschen Gastgebern das 25-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Selb und Beaucouzé zu feiern.

Schon seit vielen Jahren ist es Usus, dass eine große Zahl von Schülerinnen und Schülern unseres Gymnasiums die Selber Gruppe nach Frankreich begleitet. In der Regel entsendet das WGG um die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – die Fahrten finden in jedem zweiten Jahr statt, in den jeweils anderen Jahren kommen die Franzosen nach Deutschland. Doch nie zuvor war es gelungen, dass eine so große Zahl, nämlich 24 Kinder und Jugendliche aus Frankreich, mit nach Selb kommen konnten! Das war umso erfreulicher, als im aktuellen Schuljahr zum zweiten Mal kein Schüleraustausch mit Frankreich stattfinden konnte. Der Grund: An unserer französischen Partnerschule, dem Collège François Rabelais in Beaucouzé, gibt es wegen gesunkener Zahlen von Deutschlernenden keine reguläre Deutsch-Lehrkraft mehr. Die dortige Lehrkraft muss vielmehr zwischen drei Schulen im gesamten Landkreis hin- und herpendeln und ist praktisch jeden Tag woanders eingesetzt. So kann sie natürlich weder die enorme Arbeit schultern, die mit der Organisation eines Schüleraustausches verbunden ist, noch wird sie von einer einzelnen Schule für eine solche Fahrt freigestellt, da ja sonst an den anderen beiden Schulen der Deutschunterricht entfiele.
Umso erfreulicher war die Nachricht, dass dieses Mal eine so große Gruppe von Jugendlichen aus Frankreich für die Städtepartnerschaft akquiriert werden konnte, war das doch in einem kleineren Maß, aber immerhin eine Möglichkeit, unsere eigenen Schülerinnen und Schüler in Kontakt mit „echten“ Franzosen zu bringen. Vom WGG nahmen Schülerinnen und Schüler quer durch die Jahrgangsstufen 6 bis 12 teil.
Und so war es Ehrensache, dass versucht wurde, neben dem umfangreichen Programm, das die insgesamt fast 200 Teilnehmenden von Donnerstag (Christi Himmelfahrt) bis Samstag (Abschiedsabend) erwartete, einen eigenen Programmpunkt für die gut 40 jugendlichen Teilnehmer aus Selb und Beaucouzé zu organisieren. Unter ihnen befanden sich auch die Jugendlichen, die – dank der Städtepartnerschaft! – bereits einige Wochen und Monate an der Schule im anderen Land verbracht hatten, nämlich Léna Berthaud, Anika Reichel und Yolan Bernugat. Dank des Einsatzes zweier Sportlehrerinnen, StDin Bettina Lohse und StRin Kathrin Resch, und unter Mithilfe der Französischlehrerin StRin Lisa Benker konnte am Samstag ein tolles Sportprogramm wahrgenommen werden: Auf dem Gelände des Jugendheims auf dem Wartberg hatten sie sich diverse Ballspiele und kleine Wettkämpfe einfallen lassen.
Die Bewegung tat den Jugendlichen sicher gut, denn am Vortag hatten die allermeisten von ihnen am traditionellen Ganztagsausflug im Rahmen der Städtepartnerschaft teilgenommen, der diesmal nach Plauen führte. Dort konnte man die Geschichte und Fabrikation der Plauener Spitze in der Fabrik der Fäden nachvollziehen und im e.o.plauen-Haus nicht nur die vielleicht schon aus der Grundschule vertrauten Vater-und-Sohn-Geschichten von Erich Ohser wiedersehen, sondern auch dessen traurige Biographie – er wurde von den Nationalsozialisten verfolgt – kennenlernen. Ein Stopp auf dem Rückweg in Bad Elster wurde u.a. zu einem Gruppenfoto genutzt. Auf diesem Foto und auch während der gesamten Austauschbegegnung trugen alle rund 200 Teilnehmer gut sichtbare blaue Käppis, mit dem Symbol der Deutsch-Französischen Gesellschaft Selb e.V. (DFG) und der Zahl 25 für ein Vierteljahrhundert Städtepartnerschaft. Diese chicen Kappen, gefertigt von der Mützeria in Erkersreuth, waren das Geschenk der DFG an alle Teilnehmer, als Erinnerung an diese Begegnung. Dank des tollen Programms wurde sie finanziell vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds gefördert.
Denn auch an den anderen Tagen konnte keine Langeweile aufkommen; ein Höhepunkt jagte den anderen: Nach dem Empfang im Rosenthaltheater durch die Vorstandschaft der DFG und den Oberbürgermeister von Selb, Ulrich Pötzsch, stand am Nachmittag des Vatertags eine Wanderung auf den Waldstein auf dem Programm. Oben angekommen, wurden die Teilnehmenden von der Folkloregruppe Tradimusanse zu leicht erlernbaren Gruppentänzen animiert. Tradimusanse spielte auch eine Hauptrolle auf dem Selber Bürgerfest, das zum ersten Mal im Rosenthalpark stattfand und wo Deutsche und Franzosen die gesamte Bevölkerung einluden, mit ihnen die 25 Jahre Städtepartnerschaft zu feiern: Neben der Aufforderung, das Bein zu einem der Folkloretänze zu schwingen, gab es das Angebot, eine Partie Pétanque zu spielen, am Stand der Künstlerin LiBo aus Beaucouzé aus Muscheln, Austernschalen und anderem Strandgut ein Kunstwerk im Sand zu formen oder einfach eine frisch zubereitete Crêpe zu kosten. Der Zuspruch war enorm, alle Generationen waren dabei.
Ganz besonders viel Spaß hatten unsere Schülerinnen und Schüler offensichtlich auch am Abschiedsabend, der in gebührend feierlichem Rahmen im Vorium in der Netzsch-Arena begangen wurde. Denn genau in dieser Nacht gewann Paris St-Germain die Champions League, was insbesondere die jungen Fans live am Bildschirm verfolgten und entsprechend feierten. Ihre spontane Einlage als „deutsch-französischer Jugendchor“ mit dem Uralt-Hit „Aux Champs-Élysées“, den viele unserer Schüler schon aus dem Französischunterricht kannten, gefiel dem gesamten Festpublikum natürlich ganz besonders.
Um Mitternacht war der Austausch zu Ende; die französischen Gäste bestiegen wieder ihren Bus, um am Sonntagnachmittag in Frankreich anzukommen. Nächstes Jahr haben alle interessierten Deutschen die Gelegenheit, über Christi Himmelfahrt nach Beaucouzé zu fahren, und wir hoffen auf eine erneut große Gruppe vom WGG. Dann wird es wieder heißen: Es lebe die Städtepartnerschaft, es lebe die deutsch-französische Freundschaft!
StDin Dr. Christine Wlasak-Feik

