An einem verregneten Montag im Oktober machten sich erneut 49 Schülerinnen und Schüler der elften Jahrgangsstufe auf eine in dieser Region einzigartige Studienfahrt. Gemeinsam mit den vier begleitenden Lehrkräften traten sie die insgesamt etwa fünfstündige Fahrt in die Industrieregion Rhein-Neckar an, um in Mannheim und Umgebung verschiedene naturwissenschaftliche Arbeitsfelder genauer kennen zu lernen.
Nach der langen Anreise erreichte die Gruppe am frühen Nachmittag mit dem 570 Meter hohen Königstuhl bei Heidelberg ihre erste Station. Genauer war das dort befindliche „Haus der Astronomie“ das Ziel der abenteuerlichen und serpentinenreichen Fahrt auf den Königstuhl (hervorragend gemeistert vom professionellen Busfahrer Rainer, der den Doppeldecker in Maßarbeit durch alle Unwägbarkeiten gebracht hat). Dieses ist an eines der weltweit führenden astrophysikalischen Forschungsinstitute, das Max-Planck-Institut für Astronomie, angegliedert.
Dort stellten sich die Schülerinnen und Schüler nicht nur einer Rallye durch die verschiedenen Exponate des Hauses, sondern auch einem Workshop zur Fragestellung, ob extraterrestrisches Leben möglich oder sogar wahrscheinlich ist. Gemeinsam unternahmen sie anschließend im Klaus-Tschira-Auditorium, einem hochmodernen, vollständig digitalen Planetarium eine Reise bis an die Grenzen des wissenschaftlich bekannten Universums. Dabei wurde allen Beteiligten bewusst, wie klein und verletzlich unser Heimatplanet gegenüber den unvorstellbaren Weiten des Universums ist – und welch große Verantwortung wir für unseren gemeinsamen Lebensraum haben. Einen lebensfreundlichen Exoplaneten oder eine Kolonie auf Mars oder Mond sind nach unseren menschlichen Maßstäben bisher leider nicht erreichbar: There is no planet B!
Mit vielen Gedanken im Kopf ging es für die Reisegruppe weiter zur Jugendherberge nach Mannheim, von wo aus verschiedene Schülerinnen und Schüler nach dem Abendessen eine kleine Erkundung der nahen Mannheimer Innenstadt machten.
Am zweiten und dritten Reisetag standen in wechselnden Gruppen zwei weitere Highlights bevor. Zum einen besuchten die Schülerinnen und Schüler das Technikmuseum Technoseum, wo neben Workshops und Führungen zu den Themen „Radioaktivität“ und „Bionik“ zahlreiche Experimentierstationen zum Mitmachen und Entdecken einluden. So folgten die Besucherinnen und Besucher auf insgesamt sechs Stockwerden einer Reise durch die Technikgeschichte, beginnend von einfachsten Erfindungen des Mittelalters über die Mechanisierung im 19. und 20. Jahrhundert bis hin zu neuesten, hochmodernen Entwicklungen der Robotik.
Neben dem Technoseum, das einen Überblick über eine möglichst große Diversität naturwissenschaftlicher Arbeitsfelder bietet, stand auch ein Besuch einer ganz besonderen chemischen Produktionsstätte auf dem Programm. So lernten die Schülerinnen und Schüler mit dem Stammwerk der BASF SE in Ludwigshafen das größte zusammenhängende chemische Verbundwerk der Welt kennen, das hier auf einer Fläche von etwa zehn Quadratkilometern mit 33000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tausende chemische Produkte erzeugt, die sich in zahllosen Materialien unseres Alltags befinden. Egal ob Bekleidung, Spül- und Waschmittel, Autos oder Baustoffe: Nahezu jeder von uns verwendet im täglichen Leben Produkte, die zumindest zum Teil in Ludwigshafen produziert wurden.
Die schiere Größe und Vielfalt der Anlagen an diesem Werk sowie die kompetente Führung durch das Besucherzentrum und über das Gelände zeigten die zentrale Bedeutung der Branche für unseren Alltag und den Wirtschaftsstandort Deutschland, aber auch die Anstrengungen, die notwendig sind, um eine nachhaltigere und klimafreundlichere Produktion zu ermöglichen. Schließlich möchte niemand auf die modischen Sneaker, die Funktionskleidung beim Sport oder den Duft im Duschgel verzichten…
Auf die Naturwissenschaftler der nächsten Generationen warten also weiterhin zahllose Aufgaben, aber auch bahnbrechende Entdeckungen! Und so schließt sich auch der Kreis zum Beginn der gemeinsamen Studienfahrt und mit vielen Eindrücken machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den langen Heimweg nach Selb.
Andreas Gebauer

