Weihnachtskonzert: Plätzchen für alle

Wenn es schon nicht verschneit war, dann sorgten zumindest die Temperaturen und der alles einhüllende, fast romantische Nebel für vorweihnachtliche Stimmung beim Weihnachtskonzert des WGG Selb in der Selber Stadtkirche. Und im unwahrscheinlichen Fall, dass die äußeren Umstände einem Besucher noch nicht reichten, dann war das Gefühl, dass der Heilige Abend nicht mehr fern ist, spätestens mit den ersten Tönen des ersten Beitrags an diesem Abend in alle Herzen eingezogen.

Denn als das Orchester unter Leitung von Florian Niedrig die „Fanfare for the Faithful“ anklingen ließ, breitete sich unter allen Gästen nicht nur die Ahnung aus, dass sie dieses Stück kannten (ein Arrangement zu „O come all ye Faithful/Herbei, o ihr Gläub’gen“), sondern auch die warme, einnehmende Stimmung, wie sie an einem ruhigen Abend kurz vor Weihnachten einkehren darf, wenn man sich Zeit nimmt und die Hektik des Alltags vor der Tür lässt. Das merkte auch Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann in ihrer Begrüßung an, die sich über eine bestens gefüllte Stadtkirche freute und alle Besucherinnen und Besucher einlud, sich getragen von den Liedern des Abends auf den Weg Richtung Heiligabend zu machen und die Eindrücke in die ganz persönliche Plätzchendose zu packen, die man dann bei passender Gelegenheit öffnen und sich an die besonderen Momente erinnern kann, die dieses Konzert bot.

Und wie das mit Plätzchendosen so ist: sie sind mit einer leckeren Mischung gefüllt, auch beim Konzert war für jeden Geschmack etwas dabei. Das Orchester zeigte die Richtung dieser Tage nicht nur mit dem ersten Stück an, sondern auch mit „Hallelujah“, dem weltbekannten Lied von Leonard Cohen. Auch das Vokalensemble mit Schülerinnen und Schülern aus Q12 und Q13 versprühte Vorfreude auf die Festtage mit den Liedern „This Christmas“ (Donny Hathaway/Nadine McKinnor) und ließ anklingen, wie schön es doch wäre, wenn Schnee zu dieser Zeit liegen würde und man sich wie Kinder in der weißen Pracht vergnügen könnte, verpackt in das Stück „White Winter Hymnal“, im Original von den Fleet Foxes. A propos Schnee: ohne die Unterlage wäre eine fröhliche Schlittenfahrt nicht möglich, wie sie in „Jingle Bells“ beschrieben wird.

Die Bläserklasse, angeleitet von Mathias Elser, zeigte, dass sie ein solches Stück schon nach den ersten gut zwei Monaten, in denen sie ihre Instrumente jetzt spielen, auf die Beine stellen können, und das sehr sicher und überzeugend. Die Bläserklasse ist in diesem Jahr in der 5. Klasse angesiedelt, im Unterstufenchor singen auch Kinder aus den Jahrgangsstufen 5 bis 7 mit. Mit ihnen hatte Kathrin Hiekel, seit diesem Jahr Musiklehrerin am WGG, das altbekannte Weihnachtslied „Kommet ihr Hirten“ und den John-Lennon-Klassiker „Happy Xmas (War is over)“ eingeübt – und wie viele unter den Besucher dachten in den Momenten dieser beiden Lieder wohl daran, dass diesen Frieden auf Erden wir alle und besonders die Kinder gut gebrauchen können. Es steckt eine genauso verheißungsvolle wie ernste Botschaft in Weihnachten, aber ebenso die schöne und einfache Nachricht: lasst es euch gemeinsam gutgehen. Dazu passte bestens „Rocking Around the Christmas Tree“, den meisten bekannt durch die Version von Kim Wilde und im Original von Johnny Marks.

Die Jazz-AG mit Mathias Elser und Lotta Buchmann, die kurzfristig den Gesangspart übernahm, zeigten, dass sie Spaß am gemeinsamen Singen und Spielen haben. Nach dem fröhlich-lockeren Song wurde es ganz schnell andächtig still in der Kirche, als Jeroen Sigl mit seiner Gitarre übernahm. Was er an diesem Instrument kann, weiß jeder, der ihn schon einmal bei einem Auftritt am WGG hat spielen hören, und trotzdem ist es jedes Mal wieder erstaunlich, wie er in die Musik einsteigt und sie nach außen trägt, dieses Mal mit den katalanischen Volksliedern „El testament d’Amèlia“ und „El noi de la mare“. Er ist inzwischen in der Q13 angekommen und wie für viele Mitwirkende des Abends war es damit wohl die letzte Teilnahme an einem Weihnachtskonzert als Schüler – als Gäste sind natürlich alle immer willkommen (zahlreiche „Ehemalige“ waren auch dieses Mal im Publikum zu finden) und wer weiß, vielleicht verstärken sie künftig ja trotzdem noch das eine oder andere Ensemble.

Während die beiden Gitarrenstücke nur indirekt mit Weihnachten zu tun hatten, hatte der nächste Titel eine eindeutig weihnachtliche Nachricht im Gepäck: „Please Come Home for Christmas“, West-Coast-Sound von den Eagles, hieß es vom Instrumentalensemble der Q13 zusammen mit Sänger Daniel Gassenmeyer (Leitung: Florian Niedrig) – in Kalifornien ist Schnee eher eine Seltenheit, aber das Zusammenkommen mit den Liebsten ist genauso wichtig und viel leichter zu haben, wenn man will. Die Weihnachtsgeschichte in gesungener Form präsentierte der Mittel-und Oberstufenchor unter Anleitung von Florian Niedrig mit dem alten englischen Weihnachtslied „The first Noël“ – die frohe Botschaft der Geburt Christi empfangen und dieses Geschenk auf verschiedene Weisen feiern, das ist eben nur an Weihnachten möglich und auszudrücken. Denn dem eher getragenen Lied folgte noch einmal die Einladung zum Fröhlichsein mit „A Holly Jolly Christmas“ (Original: Johnny Marks), das frohe Gefühl, das vom Stück ausgeht, ging ganz sichtbar auf viele Besucherinnen und Besucher des Konzerts über. „A cup of cheer“, einen Becher voll Freude, sollte jeder mindestens zu Weihnachten bekommen, diese Tasse lässt sich ja bestens leeren, wenn man die Plätzchendose mit den Erinnerungen ans Konzert öffnet.

Nicht jedem ist allerdings ein frohes Fest vergönnt, daran wurde im Abschlussgebet erinnert, doch wir können dafür sorgen, dass so viele Menschen wie möglich den Heiligen Abend auch feiern können. In wenigen Worten ausgedrückt lautet die Botschaft „Feliz Navidad, prospero año y felicidad“ – fröhliche Weihnachten, ein gutes neues Jahr und Glück, so wie es José Feliciano in seinem Weihnachtslied beschreibt, das den Abschluss des Konzerts bildete und bei dem alle mitsangen, diesen einprägsamen Text kennt jeder. Dann war, man wollte es kaum glauben, das Weihnachtskonzert schon vorbei, mit vielen Eindrücken für die innere Plätzchendose – und wer beim Verlassen der Kirche kurz die Augen zumachte, dem stiegen vielleicht sogar Plätzchen-, Glühwein- und Teeduft vom nahen Selber Weihnachtsmarkt in die Nase…

Ohne das Zusammenwirken vieler Beteiligter kann ein solcher Abend natürlich nicht gelingen. Tabea-Stephanie Amtmann bedankte sich deshalb sehr herzlich bei den drei Musiklehrkräften Kathrin Hiekel, Florian Niedrig und Mathias Elser, die gemeinsam mit den Ensembles und Chören in den vergangenen Wochen viel Zeit in die Vorbereitung investiert hatten. Ebenso dankte sie dafür, dass das Konzert wieder in der Stadtkirche stattfinden konnte. Ein besonderes Dankeschön ging an alle, die kurzfristig eingesprungen waren, damit lange geplante Stücke nicht wegen Erkrankung von Mitwirkenden ausfallen mussten.

Text: Jens König; Fotos: Melanie Miedl