ICE, Zölle, Grönland – hört man diese drei Begriffe im Zusammenhang mit den Nachrichten, weiß man in diesen Tagen, es kann nur um die USA gehen. Es war deshalb auch nicht verwunderlich, dass sie an zentralen Stellen im Vortrag von Dr. Markus Hünemörder auftauchten, der in diesem Schuljahr wieder das WGG Selb besuchte und den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 11, 12 und 13 ein Update über die Lage in den Vereinigten Staaten während der laufenden zweiten Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident gab. Er war auf Einladung der Fachschaften Englisch und Politik und Gesellschaft (PuG) nach Selb gekommen und versorgte die Zuhörerinnen und Zuhörer mit den neuesten Informationen zur Lage der USA.
Was ein echter Hünemörder-Vortrag sein will, der muss Sequenzen aus den „Simpsons“ enthalten, das steht fest. Aber nicht nur die Kultfiguren aus Springfield waren vertreten, sondern auch die Bewohner von „South Park“, dazu kamen weitere Einspielungen mit Bezug zur Trumpschen Politik, um die Teilgebiete und Themen des Vortrags zu veranschaulichen. „Donald Trump – The Great Disruption“ lautete der Titel des Vortrags, also „Der große Bruch“ oder „Die große Störung“. Ein Bruch, der an sich nicht neu ist, denn die USA sind seit je her in vielen Bereichen gespalten: Republikaner vs. Demokraten, Stadt vs. Land, Meinungsverschiedenheiten in zahlreichen gesellschaftlichen Fragen, an diese Unterschiede sind die Amerikaner grundsätzlich gewöhnt. Doch in Donald Trumps zweiter Amtszeit haben sie sich noch einmal verschärft, weil er es vielen Gruppierungen recht machen will und muss und gleichzeitig seine eigenen Qualitäten und Vorstellungen nicht zu kurz kommen dürfen.
In seinem Vortrag skizzierte Dr. Hünemörder die Auswirkungen dieser Unterschiede und Brüche auf die USA selbst wie auch auf die Außenpolitik des Landes. Die Vereinigten Staaten selbst würde Trump gerne nach seinen Plänen umgestalten, er geht gegen politische Gegner genauso vor wie gegen ihm unliebsame Medien und Bildungseinrichtungen, gegen Migranten und Migration, in allen Fällen verbunden mit der Frage: was passiert, wenn sich die Angegriffenen wehren? In manchen Fällen, wie dem Streit um die Show von Jimmy Kimmel, konnte der Konflikt verhältnismäßig geräuschlos geklärt werden, in anderen, wie den ICE-Einsätzen, wuchs eine Protestwelle heran, die über die USA hinaus Aufmerksamkeit erregte und auch noch nicht abgeebbt ist.
Innerlich ist das Land tief gespalten und ebenso bei der Frage nach dem Engagement der Vereinigten Staaten im Rest der Welt. Denn das Motto „America First“ gilt weiterhin, wie Dr. Hünemörder erläuterte, Donald Trump will es an sich auch durchsetzen, weil seine Unterstützer Auslandseinsätzen der Armee skeptisch gegenüberstehen, doch die Realitäten verlangen manchmal andere Entscheidungen. Alte Ordnungen und Regeln gelten ihm insgesamt allerdings nicht viel, Stabilität und Berechenbarkeit sind für ihn eher Zeichen von Schwäche, Partner müssen sich auf große Unsicherheiten und schnelle Veränderungen einstellen – wenn es diese anhaltenden Partnerschaften unter Donald Trump überhaupt noch gibt. Hohe Zölle für alte Freunde, weil sie nicht mehr seinen Vorstellungen entsprechend handeln; die Annexion von Gebieten, die zu anderen Ländern gehören, weil seine geopolitischen Vorstellungen andere sind; der Einsatz von Waffen in anderen Ländern, wenn es dem Schutz der USA dient – in einem Jahr Präsidentschaft hat Trump bereits viele Facetten seiner Vorstellung von Außenpolitik präsentiert, wie die Schülerinnen und Schüler erfahren konnten.
Sind NATO und Ukraine Freund oder Feind, ist Russland eher ein Partner oder doch der große Gegenspieler? Diese Fragen lassen sich nicht einfach und kurz beantworten, das wurde in dem Vortrag deutlich. Vielleicht kann Donald Trump als der große „Dealmaker“ doch noch Geschichte schreiben, vielleicht muss er aber auch einsehen, dass er alleine nicht so viel Einflussmöglichkeiten hat, wie er glaubt. Vielleicht zeigt ihm aber auch die Innenpolitik der nächsten Monate seine Grenzen auf: die Kongresswahlen zur Mitte seiner Amtszeit werden mitentscheidend für den Rest der Amtszeit sein, genauso wie das Verhalten der Bundesstaaten, auf deren Ebene die Auswirkungen seiner Entscheidungen auf die Menschen und damit Wähler unmittelbar zu spüren sind. Und schließlich könnte auch der Fall Epstein noch weitere Kreise ziehen und damit auch Donald Trump wieder mehr beschäftigen, als ihm lieb ist. Der Weg, den die USA nehmen werden, ist jedenfalls derzeit alles andere als klar vorgezeichnet, das wurde an diesem sehr informativen Vormittag deutlich.
Im Anschluss an den Vortrag hatten die Schülerinnen und Schüler wie gewohnt die Möglichkeit, Dr. Hünemörder Fragen zu stellen und sich mit ihm über weitere Aspekte der USA auszutauschen. Das Prinzip „Was, wenn…“, das sich durch die Präsentation als roter Faden zog, beherrschte auch die Fragestellungen: Was, wenn Donald Trump nicht mehr sein Amt ausüben kann? Was, wenn der Epstein-Skandal ihn doch noch unmittelbar erreicht? Was, wenn Trump tatsächlich eine dritte Amtszeit anstreben sollte? Über diese und weitere Fragen diskutierten die Schülerinnen und Schüler mit dem Gast von der LMU München angeregt. Und weil Donald Trump noch einige Zeit die Schlagzeilen beherrschen wird, sind der nächste Besuch von Dr. Hünemörder in Selb und sein nächstes Update USA quasi schon vorgezeichnet.
Die vorgestellte Präsentation kann jederzeit auf der Seite www.usaupdate.de heruntergeladen werden, das Passwort lautet: lisaforpresident.
Jens König

