Wo ist er denn nun, der Sommer? Waren die ganz heißen Tage Ende Juni schon die komplette Ausbeute oder kommt noch etwas nach? Wird die Jahreszeit ihrem Namen pünktlich zum Beginn der entsprechenden Ferien gerecht? Noch hält der Sommer einige Unwägbarkeiten bereit, eines aber ist sicher: die Sommerserenade 2026 am WGG sorgte in jedem Fall für sommerliche Gefühle, ganz egal, welche Temperaturen und welche Wetterbedingungen herrschen.
Im Jahreskalender der Schule ist die Serenade inzwischen fest etabliert, das merkte auch Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann in ihrer Begrüßung an, sie ist ein Fixpunkt und in all dem Stress kurz vor Ende des Schuljahres ein Moment der Beruhigung, denn wenn Serenadezeit ist, weiß jeder, bald ist es geschafft. Mit Sommerloungefeeling ging es vor Jahren einmal los; Sofas, Bänke und Kissen standen damals im Atrium des WGG und empfingen die Besucherinnen und Besucher des Abschlusskonzerts zu einem entspannten Abend. Diese Sitzgelegenheiten hätten in diesem Jahr bei weitem nicht ausgereicht, um alle Gäste aufzunehmen, das Atrium war so voll besetzt wie wohl noch nie bei einer Serenade, ein Zeichen des großen Interesses und auch der Anerkennung für das Engagement aller Beteiligten. Während der ganzen Woche zuvor waren die verschiedenen Ensembles und Künstler zum Proben zusammengekommen, die Musik war überall in der Schule zu hören. Die Mühe und aufgewendete Zeit hatten sich aber gelohnt, wie dieser Abend bewies.
Eingeläutet wurde er von zwei Stücken der Bläserklasse der Jahrgangsstufe 5, unter der Leitung von Mathias Elser spielte sie „Old MacDonald had a Farm“ und den „Hard Rock Blues“ von John Higgins. Typische Stücke für ein Konzert mit Bezug zum Sommer? Nicht unbedingt, aber das zog sich durch die Auftritte – es ging nicht immer darum, den Sommersound herauszukitzeln, sondern darum zu zeigen, wie vielfältig die Beziehung zwischen Schülerinnen und Schülern und der Musik am WGG ist. Wobei, das nächste Stück hatte dann schon ein bisschen mehr mit Meer und Sommergefühlen zu tun, der Unterstufenchor unter der Leitung von Kathrin Hiekel besang, wie schön es „Under the Sea“ ist, ein Stück aus dem Film Arielle, die kleine Meerjungfrau. Ein ganz anderes Thema stellte er mit seinem zweiten Lied vor, „Demons“ von den Imagine Dragons erzählt von den kleinen und großen menschlichen Schwächen, die man so gerne abstellen möchte und doch nicht kann und die für andere nicht immer leicht zu ertragen sind.
Ebenfalls nicht sommerlich leicht, aber eindrucksvoll performt wurde das nächste Stück: „Join me“, eine Geschichte von Liebe und Pessimismus, stammt von der finnischen Band HIM, im Atrium wurde sie aufgeführt vom Band-Coaching-Projekt, das das Lied für den Auftritt rund um Sängerin Iren Karapetyan selbst arrangierte – jedes Jahr entsteht für das Projekt ein neuer Name für die Gruppe, der sich am gewählten Titel orientiert. Erst klang es noch etwas zurückhaltend, aber mit jeder Sekunde wuchs das Selbstvertrauen in den eigenen Auftritt hörbar. HER feierte in gewisser Weise also Premiere, schon lange mehr keine Neulinge bei Veranstaltungen des Gymnasiums sind die Mitglieder des Vokalensembles, sie sind über die Jahre über die Chöre des Gymnasiums in dieses Ensemble hineingewachsen und zeigten ihre Stärken bei der Popballade „Time after Time“, bekannt durch Cyndi Lauper, und dem Spiritual „Yonder Come Day“, das zum Aufbruch animiert, passend zu den bevorstehenden Ferien.
Für manche waren die Auftritte des Abends die letzten am WGG und ein Aufbruch in eine neue Zeit, denn im Vokalensemble waren auch Schülerinnen und Schüler vertreten, die vor wenigen Wochen ihr Abitur erfolgreich abgelegt haben und sich jetzt aus der Schule verabschieden. Einer davon ist Jeroen Sigl, er durfte natürlich nicht fehlen und versetzte alle Zuhörerinnen und Zuhörer mit den Flamencoklängen von „Asturias“ (Isaac Albeniz) natürlich in spanische Nächte, aber er beeindruckte vor allem einmal mehr mit seinem gefühlvollen Spiel auf der klassischen Gitarre. Von den langen Nächten, die im Urlaub schon einmal vorkommen können, und ihren Folgen erzählten die Jazz-AG und Lotta Buchmann als Sängerin mit „This is the life“ von Amy McDonald, auch hier galt: als das Lampenfieber verschwunden war, ging es beim Auftritt der jungen Truppe richtig cool ab. Personell noch größer aufgestellt ist das Orchester am WGG, das mit Dirigent Florian Niedrig im Anschluss seinen großen Auftritt hatte. Die Sequenzen aus der Filmmusik von „Drachenzähmen leicht gemacht“ beeindruckten schon das Atrium, das sich dann nicht mehr halten ließ, als Queen einzog: die Königin des Pop und Rock, die britische Kultband war da – sie klang erst ungewohnt mit Klarinetten, Tuba oder Querflöte, aber die besonderen Versionen von „Another One Bites the Dust“, „We will Rock You“ und „We are the Champions“ ließen niemanden kalt.
Was sollte da noch kommen und das Ganze toppen? Einfache Antwort: der Mittel- und Oberstufenchor. Ein wenig Selbstlob kann ja nie schaden, „Verliebt in mich“ von Fayan ist genau das richtige Stück dafür, die Mitglieder des Chors sangen nicht nur vom großen Selbstbewusstsein und vom Zutrauen in sich selbst, das man haben darf, egal wie man ist, sie setzten die Botschaft auch mit ihrer Performance um. Verliebt in mich – verliebt in uns oder verliebt in euch, hätte es auch heißen können, denn alle, die an diesem Abend auftraten, durften sich für ihre Leistungen auf die Schulter klopfen, alle Besucherinnen und Besucher waren in die Darbietungen verliebt, wie sie immer wieder mit großem Applaus bewiesen. Doch auch die schönste Serenade geht irgendwann zu Ende, dem Dank der Schulleiterin an alle vor, auf und hinter der Bühne folgte das Abschlusslied von Chor und Orchester: „Fix you“ von Coldplay ist eine Hymne auf das Zusammenstehen und das Kümmern um andere, was so oft während der Schulzeit zu kurz kommt und wofür jetzt in den Ferien die Zeit ist. War’s das also? Von wegen, der Applaus und die Standing Ovations, die folgten, zeigten nicht nur, wie großartig auch diese Vorstellung war, sondern hatten auch eine deutliche Botschaft: Zugabe! Die folgte selbstverständlich, das Konzert endete deshalb mit einem weiteren Lied von Coldplay: Viva la Vida.
Wer sich gefragt hatte, warum auf der Galerie um das Atrium herum so viele Plätze für die Ensembles reserviert waren, die doch schließlich so lange auf der Bühne standen, der bekam jetzt die Antwort: unten spielte das Orchester, unten sang der Mittel- und Oberstufenchor, und oben stimmte der Unterstufenchor als Überraschung mit ein. Viva la vida – lebe und genieße das Leben, mehr Auftrag für die anstehenden Ferien geht nicht, diese Botschaft nahmen alle nach dem Konzert mit nach Hause – und passend dazu leuchtete der Himmel zum Ende schon einmal in Sommerabendfarben.
Jens König

