{"id":5721,"date":"2024-10-10T07:38:52","date_gmt":"2024-10-10T05:38:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wggselb.de\/wp\/?p=5721"},"modified":"2025-04-10T15:08:19","modified_gmt":"2025-04-10T13:08:19","slug":"delice-ca-rhyme-avec-fleur-de-lys-elemo-in-selb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wggselb.de\/wp\/delice-ca-rhyme-avec-fleur-de-lys-elemo-in-selb\/","title":{"rendered":"D\u00e9lice, \u00e7a rhyme avec fleur de lys \u2013 El\u00e9mo in Selb"},"content":{"rendered":"\n<p>W\u00fcrde sich der Aufwand lohnen? W\u00fcrde die Werbung wirken? W\u00fcrde das Atrium des WGG gut gef\u00fcllt sein? Wie w\u00fcrde der Auftritt ankommen? Solche und viele \u00e4hnliche Fragen gingen Christine Wlasak-Feik in den vergangenen Tagen sicherlich immer wieder durch den Kopf, denn schlie\u00dflich war es ihre Idee gewesen, eine ganz besondere Veranstaltung zu organisieren: ein Auftritt des franko-kanadischen Poetry Slammers Marc-Olivier Jean alias El\u00e9mo.<\/p>\n\n\n\n<p>Er kommt aus Montr\u00e9al in der Provinz Qu\u00e9bec (auf deren Flagge ist die fleur de lys, die Lilie, zu sehen), war in der Woche vom 30. September bis 4. Oktober in Bayern unterwegs und dank guter Kontakte ergab sich die M\u00f6glichkeit, ihn auch nach Selb einzuladen. Aber w\u00fcrde diese Idee auch ankommen oder w\u00e4re die Kombination Poetry Slam \u2013 franz\u00f6sisch \u2013 Selb vielleicht doch zu gewagt? Es konnte jedenfalls kaum jemand behaupten, er h\u00e4tte von nichts gewusst, denn in den Tagen vor dem Auftritt wurde die Werbetrommel flei\u00dfig ger\u00fchrt, nicht nur in der Schule selbst, sondern auch \u00fcber die sozialen Netzwerke und ganz klassisch mit Plakaten an verschiedensten Stellen; auch an benachbarte Schulen erging eine Einladung.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Gl\u00fccksfall sollte sich erweisen, dass El\u00e9mo kurzfristig schon am Dienstag, dem 1. Oktober, anreisen konnte. Er war n\u00e4mlich damit einverstanden, am Mittwoch gleich drei Workshops zum Thema Poetry Slam mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern aus verschiedenen Jahrgangsstufen abzuhalten, sie lie\u00dfen sich noch einmal mehr begeistern und wollten den Auftritt am Abend auf keinen Fall verpassen. In den drei Workshops f\u00fcr die Franz\u00f6sischsch\u00fcler der Klassen 9 bis 12 gelang es dem sympathischen K\u00fcnstler scheinbar spielend, innerhalb von 90 Minuten einen Bogen von der Theorie zur Praxis zu schlagen, die Kreativit\u00e4t der Sch\u00fcler anzuregen und ihnen so einen ganz neuen Zugang zur franz\u00f6sischen Sprache einerseits und zu Literatur andererseits zu er\u00f6ffnen: Nach seinem exakt dreimin\u00fctigen, mitrei\u00dfenden Live-Vortrag seines bekannten Slams &#8222;Je suis&#8220; lie\u00df er die Teilnehmenden zun\u00e4chst die Grundlegen eines Poetry-Slams erarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Er erkl\u00e4rte den Unterschied zwischen Slam und Rap &#8211; Ersterer geht letztendlich vom literarischen Text aus und ist der wirkungsvolle Vortrag eines Gedichts, Letzteres ist Musik, die mit rhythmisierter Sprache unterlegt wird. Er verdeutlichte Stilmittel wie Metaphern und Vergleiche, lie\u00df Reimw\u00f6rter finden, ging auf Darstellungsmittel wie Stimme, Gestik, Pausen, Lautst\u00e4rkemodulation ein &#8211; alles auf Franz\u00f6sisch nat\u00fcrlich, denn er spricht keinerlei Deutsch. Doch die Sch\u00fcler konnten ihm gut folgen und arbeiteten sehr aktiv mit. Im anschlie\u00dfenden Praxisteil jedes Workshops waren die Teilnehmer aufgefordert, selbst ein kleines Gedicht zum Thema &#8222;Je suis&#8220; &#8211; &#8222;Wer bin ich?&#8220; auf Franz\u00f6sisch zu verfassen, dabei Reime sowie mindestens eine Metapher und einen Vergleich zu verwenden. Die Ergebnisse waren beeindruckend!&nbsp; &#8222;K\u00f6nnen wir \u00f6fter so etwas machen?&#8220; war somit eine der h\u00e4ufigsten Fragen, die die Sch\u00fcler anschlie\u00dfend stellten.<\/p>\n\n\n\n<p>So weit, so gut, so viel zum Tag mit El\u00e9mo in der Schule. Aber geht auch das, Poetry Slam mit einem einzigen K\u00fcnstler einen ganzen Abend lang? Die Antwort darauf gaben erst Christine Wlasak-Feik und dann El\u00e9mo selbst. Als sie zur Begr\u00fc\u00dfung vor das Publikum trat, waren ihr Erleichterung und Freude anzumerken, denn die Fragen, die sich w\u00e4hrend der Vorbereitung gestellt hatten, konnten alle mit \u201eJa\u201c beantwortet werden: der Aufwand hatte sich gelohnt \u2013 die Werbung hatte (an)gezogen \u2013 das Atrium war bestens gef\u00fcllt. Und das schon eine ganze Weile vor Beginn, die G\u00e4ste nutzten schon vor dem Start die Gelegenheit, Spezialit\u00e4ten aus Frankreich und Qu\u00e9bec zu kosten.<\/p>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich um 19 Uhr er\u00f6ffnete sie den Abend und informierte erst einmal \u00fcber die kleine Odyssee, die El\u00e9mo hinter sich gebracht hatte, um von M\u00fcnchen \u00fcber N\u00fcrnberg nach Selb zu kommen, und \u00fcber Poetry Slam an sich: ein Auftritt, ein K\u00fcnstler, ein Mikrofon, keine Zutaten au\u00dfer Stimme und Gesten, drei Minuten Zeit. Ist El\u00e9mo dann also ein echter Poetry Slammer, wenn er sich einen ganzen Abend f\u00fcr einen Auftritt nimmt und seine Slams auch noch mit Musik unterlegt? Falls jemand sich solche kritischen Fragen gestellt haben sollte, waren sie eine Minute sp\u00e4ter auch schon wieder vom Tisch beziehungsweise von der B\u00fchne gefegt: vom ersten Moment an, als El\u00e9mo das Mikrofon \u00fcbernahm, war er einfach da und es f\u00fchlte sich genau richtig an, ein echter Genuss, ein \u201ed\u00e9lice\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Er nahm sofort alle Besucherinnen und Besucher mit, egal, wie wenig oder viel Franz\u00f6sisch sie verstanden \u2013 die einfache Frage \u201e\u00e7a va?\u201c reichte aus, ein lautes, gemeinsames \u201eOui\u201c folgte als Antwort, und dann konnte es auch schon losgehen. Dieses \u201ees\u201c passend in Worte zu fassen, f\u00e4llt nicht leicht, El\u00e9mos Slams sind eine Kunst und ein Erlebnis f\u00fcr sich. Er spielt mit der franz\u00f6sischen Sprache, nutzt W\u00f6rter, Silben, Reime und Kl\u00e4nge, setzt sie \u00fcberraschend und ungewohnt zusammen und verleiht ihnen so einen ganz neuen Sinn. Dabei kreiert er keine neuen Begriffe, sondern nutzt die M\u00f6glichkeiten aus, die das Franz\u00f6sische bietet, so erz\u00e4hlt er seine eigenen, ganz individuellen Geschichten \u2013 sie handeln von pers\u00f6nlichen, auch schwierigen und teils bedrohlichen Erfahrungen aus seinem Leben, geben wieder, was er aufgrund seiner Herkunft und Hautfarbe (die Wurzeln der Familie liegen in Haiti) f\u00fchlt oder wie er sich die Zukunft ausmalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mal rasend schnell, mal melancholisch und vertr\u00e4umt, mal zum Mitklatschen animierend, mal zum Nachdenken anregend nahm er das Publikum ganz f\u00fcr sich ein. Manchmal war er durchaus kritisch mit sich und anderen und gab Statements auch zu politischen Themen wie Rassismus ab, aber seine Grundeinstellung kam immer wieder durch: \u201eI can do it\u201c lie\u00df er dem Publikum wissen, \u201eVivre\u201c (=Leben) und \u201eTout ira bien\u201c (=Alles wird gut gehen) sind seine Leitgedanken, das Positive im Leben \u00fcberwiegt. Gro\u00dfes Spektakel drumherum brauchte er nicht, was er erz\u00e4hlte und wie er es erz\u00e4hlte, reichte v\u00f6llig aus. Wie im Flug vergingen eineinhalb Stunden mit zahlreichen Beitr\u00e4gen von seinen beiden Alben, ganz sicher niemand bereute sein Kommen zu diesem einzigartigen Abend. Eine Zugabe durfte nicht fehlen, es war bestimmt kein Zufall, dass El\u00e9mo sich f\u00fcr \u201ePapaoutai\u201c von Stromae entschied, auch der belgische S\u00e4nger ist ein Wort- und Wandlungsk\u00fcnstler. Nach dieser Performance war es kein Wunder, dass die Schlange der Fans an seinem Tisch nach Ende des Konzerts lang war: die einen holten sich ein Autogramm oder eine CD, die anderen ein Foto mit El\u00e9mo und wieder andere wollten einfach Danke sagen \u2013 wir auch: \u201eMerci beaucoup\u201c und hoffentlich \u201eA plus\u201c!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfes Dankesch\u00f6n gilt dem Verein der Freunde des WGG, der Vereinigung der Franz\u00f6sischlehrer in Bayern e.V. sowie der Deutsch-Franz\u00f6sischen Gesellschaft e.V., ohne deren tatkr\u00e4ftige und finanzielle Unterst\u00fctzung El\u00e9mos Auftritt in Selb nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Ein ebenso gro\u00dfes \u201eMerci\u201c geht an das Technikteam des Gymnasiums, das den musikalischen Hintergrund perfekt einspielte, und an alle, die f\u00fcr ein reichhaltiges Buffet und die Verpflegung der G\u00e4ste sorgten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>OStR Jens K\u00f6nig<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1600\" height=\"1031\" src=\"https:\/\/www.wggselb.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/elemo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5743\" srcset=\"https:\/\/www.wggselb.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/elemo.jpg 1600w, https:\/\/www.wggselb.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/elemo-300x193.jpg 300w, https:\/\/www.wggselb.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/elemo-768x495.jpg 768w, https:\/\/www.wggselb.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/elemo-1536x990.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00fcrde sich der Aufwand lohnen? 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