Schreiberziehung im Deutschunterricht – das bedeutet auch immer die Frage: Wie lassen sich lebensweltrelevante Themen mit motivierenden Schreibanlässen verknüpfen?
Da lag es nahe, die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse, mit der sie aus ihrem Skilager in Viehofen zurückkehrten, mit einem Aufsatzwettbewerb zu verknüpfen. Hier ist der Gewinnerbeitrag von Melina Seidel, der wir herzlich zu ihrer Schreibleistung gratulieren!
OStRin Silke Sachs, Deutschlehrerin der Klasse 6a
Skilager mit Hindernissen
„Juhu, ich freue mich schon so auf die Woche in Österreich!“, jubelte ich meiner Freundin Ilaria bei unserer Ankunft im Skilager in Viehofen zu, denn hier sollte ich endlich Skifahren lernen.
Zuerst wurde ich der Anfängergruppe zugeteilt, da ich noch nie auf Skiern gestanden war, doch weil ich schnell Fortschritte machte, kam ich mit meinen Freundinnen Lola und Maja ins Team der Fortgeschrittenen. Ich war sehr überrascht über den Wechsel, konnte in diesem Augenblick aber noch nicht ahnen, welche Folgen diese Entscheidung haben würde…
Am ersten Tag fuhren wir sofort mit der Gondel ganz nach oben auf einen hohen Berggipfel. Dort angekommen zogen wir unsere Skier an und los ging die steile Abfahrt! Nun rasten wir öfters den Berg hinunter, bis wir einmal nach links abbogen, um sogar durch Tiefschnee zu fahren. Als ich die steile Piste sah, spürte ich plötzlich ein mulmiges Gefühl im Bauch, da ich bis zu diesem Moment noch nie durch besonders tiefen Schnee geglitten war. Leise flüsterte ich Lola mit ängstlicher Stimme zu: „Soll ich das wirklich wagen?“
Ich überlegte lange, wollte es aber riskieren. Vorsichtig fuhr ich mit zitternden Knien hinunter, merkte jedoch, wie ich auf einmal die Kontrolle über meine Skier verlor, da ich immer schneller und schneller wurde. Plötzlich lösten sich die Skier und ich rutschte auf Knien ein Stück den Berghang hinunter. „Wo sind nur meine Skier gelandet?“, fragte ich mich panisch. Nach einigem Suchen entdeckte ich etwas Gelbes, das durch die weiße Pracht leuchtete. Da lagen sie, unter dem Schnee begraben. Nach der Bergung und dem erneuten Anschnallen der Skier fragte ich mich: „Wo ist meine Gruppe?“ Aufgeregt schaute ich mich nach allen Seiten um, doch alles war in weißen Nebel gehüllt, weil wir an diesem Tag schlechtes Wetter hatten. Meine Knie wurden weich und ich spürte, wie Angst in mir hochkroch. Panisch schrie ich: „Wo seid ihr? Hilfeeee!“ Vor Verzweiflung liefen mir die Tränen über die Wangen.
Doch auf einmal hörte ich eine Stimme, die mir bekannt vorkam. „Wer war das?“ Beim erneuten Rufen merkte ich, dass es meine Freundin Maja war, die sich bemerkbar machen wollte. Als ich angestrengt durch den dichten Nebel blickte, sah ich, dass sie gemeinsam mit dem Gruppenleiter auf mich wartete. Schnell fuhr ich hinunter und war erleichtert, wieder bei den anderen zu sein. Doch es dauerte nicht lange, da wartete eine weitere Überraschung auf uns: Maja und ich fuhren mit dem Sessellift hoch auf den nächsten Berg. Plötzlich stotterte meine Freundin: Me.., Melina, wir haben vergessen, den Sicherungsbügel zu schließen!“ Hektisch versuchten wir alles, um uns zu sichern, aber es ging einfach nicht. Wir brachten keinen Ton heraus, weil wir panische Angst hatten, aus 13 Metern Höhe hinunterzufallen. So fest wir konnten, krallten wir uns am Lift fest und hofften nur, dass die Fahrt bald zu Ende gehen würde. Oben angekommen waren wir überglücklich, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Trotz der Hindernisse war ich mir sicher: „Die Woche in Österreich war wunderschön!“
Melina Seidel
