Die „Woche für das Leben“, die am 29. April in Rehau eröffnet wurde, steht dieses Jahr unter dem Motto: „Mittendrin. Leben mit Demenz“. Für dieses Thema interessieren sich keineswegs nur ältere Menschen. Erst kürzlich erschienen im „Verlag neues Buch“ zwei Geburtstagsgeschenkhefte, die demenzsensibel gestaltet wurden. Nicht etwa von Fachleuten, sondern von Schülerinnen und Schülern des Walter-Gropius-Gymnasiums in Selb im Rahmen eines Projekt-Seminares mit dem Titel: „Schätze der Erinnerung“.
Elf junge Leute befassten sich unter der Leitung von Pfarrerin Andrea Münster über zwei Schuljahre hinweg mit dem Thema Demenz. Zielsetzung war, die Hefte so zu gestalten, dass Texte und Bilder Erinnerungen wecken und zum Mitsprechen und Mitsingen animieren. Die Besonderheit dabei war, dass die Hefte in Zusammenarbeit mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Seniorenheimes Paul-Gerhardt-Haus entstanden – mittendrin eben im Alltag von Menschen, die Demenz haben oder mit ihnen arbeiten und leben.
Zunächst wurden die Teenager von Fachkräften durch das Haus geführt und über die besonderen Bedürfnisse der alten Menschen aufgeklärt. Manche kannten Haus und einzelne Bewohner schon, denn sie hatten im Jahr davor am Wahlunterricht „Altenheim macht Schule“ teilgenommen und regelmäßig im Heim Besuche gemacht.
Die Schülergruppe organisierte einen Singnachmittag im Haus und konnte so herausfinden, welche Lieder besonders bei der Generation 70Plus bekannt und beliebt sind. Der Nachmittag war ein Vergnügen für die betagten Damen und Herren und die jungen Leute waren über so viel herzlichen Zuspruch überrascht und erfreut.
Corona stellte einen tiefen Einschnitt in das Projekt dar, die Gruppe durfte nicht mehr in die Einrichtung. So war der Weg zum fertigen Produkt länger als geplant. Die Schülerinnen nutzten den Lockdown zum Fotografieren. Die laminierten Fotos wurden von Anna Schwarzmeier, eine Betreuerin im Paul-Gerhardt-Haus, den Seniorinnen und Senioren vorgestellt. Diese wählten die Motive aus, die sie am ansprechendsten fanden.
In Kleingruppen erstellte das Seminar dann aus den favorisierten Fotos und Texten Heftentwürfe. Im Verlag „Neues Buch“ wurden diese Vorlagen überarbeitet und gedruckt.
Die nun jungen Erwachsenen hatten das Abitur bereits hinter sich und Studium und Ausbildung begonnen, als sie ihr Werk endlich in Händen halten konnten. Per Post schickte Pfrin. Münster die Hefte sogar bis nach Irland.
Tatsächlich haben die jungen Menschen damit eine Marktlücke aufgefüllt, es gibt kaum Geschenkhefte, die für Menschen mit demenzieller Erkrankung geeignet sind. Das Heft „Tageszeiten“ und „Viel Glück und viel Segen“ regt mit sehr kurzen, wohlbekannten Texten in besonders großer Schrift und dazu passenden Bildern die Erinnerungen an. So helfen sie, Menschen mit Demenz zu aktivieren und ihnen eine Freude zu bereiten.
Und im kommenden Schuljahr soll das Projekt „Altenheim macht Schule“ wieder aufgenommen werden, wenn Corona es zulässt. Dann sind auch junge Menschen wieder mitten drin in einem Leben mit Demenz.
Pfarrerin Andrea Münster

