„Jeder Konflikt hat seine Geschichte“ – ein Seminar zu internationaler Politik im Kloster Banz

Vom 24. bis zum 26. März 2022 fand im Kloster Banz bei Bad Staffelstein eine Schülertagung zu internationaler Politik statt – ein Angebot, das zwei unserer Elftklässler, Noah Siebenhaar (links auf dem Bild) und Philipp Roßner (rechts), gemeinsam mit 25 weiteren Schülerinnen und Schülern aus ganz Oberfranken mit Freude und Interesse, aber auch mit etwas Respekt vor der anspruchsvollen Thematik wahrnahmen. Hier der Bericht von Philipp:

Nach einer zweistündigen Zugfahrt und einer gefühlt mindestens ebenso langen Wanderung auf den Banzer Berg standen wir also vor dem eindrucksvollen Gebäudekomplex des Klosters, wo wir dank der großzügigen Förderung der Hanns -Seidel -Stiftung bestens untergebracht waren.

Ursprünge von Konflikten

Unter dem Titel „Komplexe Konflikte verstehen lernen“ begann nun der erste Teil des Seminars, in dem uns unser Referent Dr. Said AlDailami, der im Rahmen seiner wissenschaftlich geprägten Karriere bei der Bundeswehr selbst jahrelang in diesem Themenbereich arbeiten konnte, analytische Methoden zur Aufschlüsselung kriegerischer Auseinandersetzungen näherbrachte. Eine erstaunlich vielseitig einsetzbare Technik ist hier beispielsweise die Übertragung auf einen Hausstand oder eine Dorfgemeinschaft, wo verschiedene Parteien und Interessen in ähnlicher Weise aufeinandertreffen. Im Großen wie im Kleinen gilt dabei vor allem eines: Jeder Konflikt hat eine Geschichte (einer der Lieblingssätze Dr. AlDailamis).

Nachdem wir die neu erlangten Kenntnisse am Beispiel des Kriegs in der Ukraine in die Praxis umgesetzt hatten, gingen wir (nur unterbrochen durch die obligatorische Kaffeepause) zum nächsten Schwerpunkt der Tagung und damit zum persönlichen Spezialgebiet unseres Referenten über. Von den revolutionären Vorgängen des arabischen Frühlings ausgehend erschlossen wir die jüngere politische Geschichte sowie die aktuelle Lage in den Nahoststaaten und Nordafrika. Dabei lag ein besonderer Fokus auf der Rolle des Islams in der dortigen Politik, wobei wir feststellten, dass Staat und Religion in besagten Gebieten, anders als in Zentraleuropa, grundsätzlich und immer schon strikt getrennt sind. Eine Ausnahme bildet hier nur der Iran, wo die politischen und religiösen Herrscher in der jüngeren Vergangenheit ein System etabliert haben, das wohl eher an das mittelalterlich – christliche Europa als an das islamische Selbstverständnis einer unpolitischen Religion erinnert. Insgesamt kamen wir zu dem Schluss, dass der nun schon Jahre andauernden humanitären Katastrophe der „Militärintervention im Jemen“ neben dem brutalen Vorgehen Saudi Arabiens und der jemenitischen Stämme auch die konfliktbefeuernden Machtinteressen westlicher Länder zugrunde liegen, was zur provokanten Frage führt, ob das Zeitalter der Kolonialisierung wirklich schon geendet hat.

Wir hatten die spannenden Ausführungen Dr. AlDailamis kaum verarbeitet, als uns unser zweiter Referent, der langjährige Pressesprecher des EU – Parlaments und nahezu aller existierenden bayrischen Staatsministerien, Michael Möhnle, einen umfassenden Überblick über die Diktaturen und sonstigen „Undemokratien“ der Welt gewährte. Die erdrückende Bilanz: Die diktatorischen Regime befinden sich nicht nur in der deutlichen Überzahl, sondern sind im Laufe der vergangenen Jahre auch noch gewachsen.

Im Spannungsfeld von Politik und Klimazielen

Von einem ernüchternden Rundblick ging es unter dem Thema „Der europäische Green Deal“ nun gleich zum nächsten, da uns Herr Möhnle einmal mehr vor Augen führte, wie weit die Welt mit ihren stetig wachsenden Emissionen von den Klimazielen der europäischen Staaten entfernt ist. Besonders China, das schon jetzt für ein Drittel des weltweiten Ausstoßes verantwortlich ist, fällt hier stark ins Gewicht. Auf der anderen Seite haben wir in den kommenden Jahren jedoch auch massive Innovationen zu erwarten, etwa in den Bereichen Batterietechnik, Fotovoltaik und Mobilität, sodass bei aller berechtigten Sorge wohl doch gelten muss: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Verhandlungen führen

An dieser Stelle ist es Zeit, sich bei allen Beteiligten zu bedanken: beim oberfränkischen Beauftragten für Begabtenförderung Stefan Gagel für die großartige Organisation des Seminars, bei der Hanns-Seidel-Stiftung für die Unterbringung und Förderung und natürlich bei den Referenten für drei spannende und lehrreiche Tage.

Eines sei hier noch angemerkt: Neben den hochinformativen Vorträgen und den wunderschönen Räumlichkeiten sind es die langen und ausschweifenden Diskussionen mit Herrn Gagel und den Referenten bis tief in die Nacht hinein, die wir in erster Linie in Erinnerung behalten werden, denn wie Herr Möhnle passenderweise anmerkte: Die wirklich wichtigen Entscheidungen werden nicht am Verhandlungstisch getroffen, sondern spät abends und in inoffizieller Runde.