Lokalsagen des Fichtelgebirges

Die Klasse 6b hat sich im November 2022 mit Lokalsagen beschäftigt. In diesem Rahmen sind viele außerordentlich gute, selbstgeschriebene Sagen zum eingemeißelten Ochsenkopf auf dem Ochsenkopf entstanden. Die Auswahl fiel daher schwer, doch die drei besten wollen wir Ihnen und euch hier präsentieren:

Der verhexte Bauer

An einem schönem Dienstag im August so zur Mittagszeit im Jahr 1539 ging Bauer Fred hoch auf einen Hügel. Von dort aus sieht man das ganze Fichtelgebirge. Da oben steht eine Bank und ein großes Kreuz. Er saß auf der Bank, um ein Mittagsgebet zu sprechen. Er war noch keine zwei Minuten gesessen, da hört er aus dem Wald ein grausiges Gekicher. Der Bauer war so neugierig, dass er sich in den Wald schlich. Hinter einem Busch versteckt, beobachtete er neun um ein Lagerfeuer sitzende Hexen. Obwohl er ganz leise sein wollte, trat er aus Versehen auf einen Ast. Die Hexen schauten nach und entdeckten ihn. Sie packten ihn und der wehrlose Bauer ließ sich mitreißen. Sie mochten es gar nicht, wenn sie jemand belauschte, deswegen hängten sie ihn auf brutale Weise über ihr Lagerfeuer. Aber auf einmal kam mitten aus dem Dickicht ein Ochse heraus. Die Hexen brachen in Panik auf, nahmen ihre Besen und flogen weg. Sie riefen noch, dass sie wiederkommen würden. Der Ochse trampelte das Feuer nieder, stieß den Balken, an dem der arme Mann hing, an, damit dieser umfiel und Fred fliehen konnte. Der Ochse verschwand so plötzlich, wie er erschienen war. Aus Dankbarkeit für die Rettung stellte der Bauer in den nächsten Tagen einen Stein mit einem eingemeißeltem Ochsenkopf an diesem Ort auf. Seine Frau und Freunde glaubten ihm nicht, aber vielleicht war es besser so. Der Stein steht jedoch heute noch da und die Hexen lassen sich dort nicht mehr blicken.

Die Sage um den Ochsen im Stein

Vor langer Zeit lebte ein junger Graf auf seiner Burg am Fuße des Ochsenkopfs. Er war sehr geizig und wurde deshalb von seinem Volk nicht gemocht. Eines Tages traf der junge Mann in der Dorfmitte eine am Brunnen sitzende alte Frau. Sie bat: „Bitte, lieber Graf, haben sie etwas zu essen für mich übrig?“ Er aber gab ein arrogantes „Uff“ von sich und ignorierte die Alte. Das hätte er besser nicht tun sollen, denn er wusste nicht, dass sie eine junge Hexe war. Der Adlige stolzierte zu seiner Burg zurück und dachte nicht mehr über die Begegnung nach. Währenddessen eilte auch die Hexe nach Hause und schrieb einen Brief an den Grafen, den sie sogleich zur Burg bracht. In ihm stand, dass der junge Mann, wenn die Glocke das zwölfte Mal schlägt, den Ochsenkopf erklimmen sollte. Obwohl er nicht wollte, trugen ihn seine Füße zu besagter Zeit dorthin. Oben angekommen sah er die alte Frau in der jugendlichen Gestalt der Hexe, die ihm offenbarte: „Ich bin die Frau, die du haute am Brunnen so schlecht behandelt hast. Dafür werde ich die bestrafen.“ Weiter sprach sie: „Ich, die Hexe des Ochsenkopfs, wünsche, dass du ab diesem Zeitpunkt die Gestalt eines Ochsen annimmst, als Strafe für die Grausamkeit gegenüber mir und vor allem deinem Volke.“ Als Erinnerung an seine schlechten Taten ließ sie außerdem einen Ochsenkopf in einem Stein erscheinen, der bis heute steht.

Der Ochsenkopf auf dem Ochsenkopf

Es war einmal ein armer Bauer, ohne zuhause, wenig Kleidung und ohne Essen. Eines Tages, als er wanderte, wurde er müde und setzte sich vor einen Felsen. Er schlief ein und träumte von Ochsen, die er züchtete, einer Frau, die er hatte und von Geld, das er verdiente. Daraufhin wachte er auf, denn er hörte ein Pferd galoppieren. Der Reiter war ein adelig aussehender junger Handelsmann. „Sehet hier, ein schwacher Knabe ohne Hab und Gut! Wie peinlich!“, spottete er Reiche. „Was hast du dein ganzes Leben angestellt, dass du so endest? Pff!“, fügte er hinzu. Er ritt weiter und der Arme schämte sich sehr. Der Kaufmann jedoch fühlte sich gut und artig, dass er den Armen so behandelt hatte. Als er an seinem Ziel ankam, wurde ihm plötzlich komisch. Alle Sach, die er berührte, fand er, wenn er es sie das nächste Mal braucht, nicht mehr und er vergaß Dinge, von denen er sich sicher war, dass er sie wusste. Er ritt schleunigst wieder heim, da er sich sicher war, dass die Waldhütte, in der er weilte, verflucht sein musste. Auf dem Heimritt kam er am Felsen vorbei, bei dem er den Wanderer beschämt hatte. Doch nun saß dort ein anderer Mann. Als er beginnen wollte, auch ihn zu verspotten, schnippte dieser zweimal und der Reiche fand sich mitten in dem Steine wieder, außen geschmückt mit den Kopfe eines Ochsen. Er konnte sich weder bewegen noch sprechen. Der Zauberer erklärte: „Du bist ein rechter Ochse, so unverschämt zu sein. Das ist die Strafe für deine Taten.“ Er verschwand, doch der Fels steht heute noch und mahnt den Reisenden.

StRefin Jacqueline Auer