Von Sommer war am Abend des 25. Juli 2023 nicht viel zu spüren in Selb, denn es regnete, gewitterte und hatte im Vergleich zu den Vortagen deutlich abgekühlt. Von der Atmosphäre einer Serenade dagegen lag sehr wohl eine ordentliche Prise in der feuchten Luft, und die führte zahlreiche Besucherinnen und Besucher in das Atrium des WGG Selb.
Mit anderen Worten, es war Zeit für die Sommerserenade des Gymnasiums, zu der Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann nach dem Auftritt der Bläserklasse aus der 6. Jahrgangsstufe herzlich begrüßte. Während das sehr wechselhafte Wetter sicher nicht optimal für das Gemüt war, ließ die Abwechslung im Programm des Abends die Aussicht auf gute Laune schnell wieder ansteigen. Nach dem beschwingten „River-Kwai-Marsch“ der Bläser präsentierte der Unterstufenchor unter Leitung von Helena Brändlein gleich drei Stücke: mit „Lieder, die wie Brücken sind“ machten die Kinder die verbindende Rolle von Musik deutlich, mit dem kongolesischen Volkslied „Bahana“ animierten sie das Publikum schnell das erste Mal zum Mitklatschen und bei „Alles nur geklaut“, im Original von den Prinzen, sang sicherlich der eine oder andere leise mit.
Ganz still und andächtig wurde es danach, als sich Johannes Pufe und Philipp Roßner ans Klavier setzten und gemeinsam den „Slawischen Tanz“ (op.46 no.8 in g-Moll) von Antonin Dvořák spielten. Perfekt aufeinander abgestimmt luden sie Zuhörer mit der Melodie zum Tanz in Gedanken ein. Nicht weniger schwungvoll, aber mit ganz anderen Tönen ging es bei der Bläserklasse aus der 5. Jahrgangsstufe zu, sie führte die Anwesenden in die USA auf Old McDonald’s Farm, der in diesem Fall aber eine Band hatte und präsentierte amerikanischen Blues, genauer gesagt den Hard Rock Blues von John Higgins. Während die Bläser aus der 6. Klasse nach diesem Schuljahr ihren Abschied geben und individuell entscheiden, welchen musikalischen Weg sie weitergehen, zeigte die 5. Klasse mit diesen beiden Stücken, was man innerhalb eines Jahres alles in der Bläserklasse lernen kann.
Einen großen Kontrast dazu bildeten logischerweise die Auftritte des Vokalensembles unter der Leitung von Florian Niedrig, besonders bei Hoffmann von Fallerslebens „Abend wird es wieder“ und auch beim Spiritual „Over My Head“, das sie gemeinsam mit dem Instrumentalensemble vortrugen, aber die Intensität der Darbietung durch die Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe war nicht weniger berührend. Dieser Wechsel von laut und leise, Stimmen und Instrumenten, ruhig und schwungvoll, macht die Besonderheit der Sommerserenade am WGG aus. Mit dieser Abwechslung ging es weiter: aus den Blackhearts wurden an diesem Abend The Heartshakers (aus den 6. Klassen), aus Joan Jett wurde Mariia Golovko, die mit „I love Rock’n’Roll“ die Besucherinnen und Besucher das erste Mal von den Sitzen riss. Im Atrium wurde es vom Mitklatschen laut und dann ganz schnell wieder still, denn sonst wäre die Wirkung des Vortrags des Oberstufenchors beim Gospelsong „Bring Me A Little Water, Sylvie“ nicht im passenden Maß zu spüren gewesen, so aber durften die Stimmen voll zur Geltung kommen.
Alle Künstlerinnen und Künstler hatten sich ihren Applaus mehr als verdient und zeigten ihr Talent und Können, unter den tollen Leistungen ragte aber sicher noch das Gitarren-Duo Jeroen Sigl und Jule Wiertelovz (Schülerin am Jean-Paul-Gymnasium Hof) heraus. Bei ihrem Stück „La ilusión“ ließen sie die Zuhörerinnen und Zuhören tatsächlich die Illusion von einem Abend auf einer Plaza in Spanien spüren, sie spielten vom ersten bis zum letzten Moment sicher und synchron und brachten die Besucher zum Staunen.
Zum Ende der Serenade hin übernahmen die Solistinnen am Mikrofon die Regie, und wie: Linn Glinski, die wie Johannes Pufe und Philipp Roßner in diesem Jahr das Abitur am WGG abgelegt hat, machte mit „Always Remember Us This Way“ von Lady Gaga den Auftakt; während ihr Appell, sich an die guten Momente im Leben zu erinnern, noch eher ruhig und nachdenklich daherkam, zuckten die Hände und Füße aller Anwesenden schon bei den jeweils ersten Takten der beiden folgenden Lieder, die Mariia Golovko zusammen mit der Jazz-AG von Mathias Elser präsentierte – denn „Mamma Mia“ und „Gimme, Gimme, Gimme“ von ABBA sind nun einmal Evergreens, die jeder kennt, mitsingen und mitklatschen kann und will. Wenn sie dann noch mit so viel Leidenschaft gesungen werden wie an diesem Abend, dann kann man einfach nicht still sitzen bleiben.
Vielleicht hätte so mancher schon in diesen Minuten zur Musik getanzt, auch die allerletzten ruhiggebliebenen Muskeln kamen dann beim Abschlusslied des Oberstufenchors in Bewegung, der zusammen mit dem Instrumentalensemble Pinks unmissverständliche Aufforderung „Never Not Gonna Dance Again“ ins Atrium fliegen ließ. Musik machen und tanzen, das geht immer, auch im Sommerregen von Selb, und es lässt schnell schlechte Stimmung vergessen. Ob die Schülerinnen und Schüler am Freitag, dem letzten Schultag, aus der Schule tanzen, wird sich zeigen, genauso, ob sie im September tanzend zurückkehren werden, so wie es der Oberstufenchor in seiner Zugabe „Do you remember (dancing in September)“ vorschlug.
Was aber sicher ist: wenn die Sommerserenade 2024 wieder so begeistert wie die diesjährige, dann werden auch die Künstlerinnen und Künstler des kommenden Jahres Standing Ovations erhalten, wie sie das begeisterte Publikum an diesem Sommerregenserenadenabend sehr gerne verteilte.
OStR Jens König; Foto: Silke Meier

