Ein neues Fach am WGG – Medienerziehung in den 6. Klassen

Seit dem vergangenen Schuljahr nimmt das WGG am bayernweiten Pilotprojekt „Digitale Schule der Zukunft“ teil; inzwischen wird das Tablet in den Klassen 7, 8 und 9 im Unterricht eingesetzt, ab dem zweiten Halbjahr dann auch in der 6. Jahrgangsstufe. Um unsere Jüngsten medienpädagogisch optimal auf den Umgang mit den digitalen Endgeräten vorzubereiten, erarbeiteten zwei Mitglieder des Medienteams, Frau Ulrich und Herr Wagner, ein Konzept mit vier Modulen zur Medienerziehung. Nach der 6a und der 6b ging es in dieser Woche für die 6cb los.

Unser Expertenteam in Sachen Medienpädagogik: StRin Stephanie Ulrich und StD Andreas Wagner

Zugegeben – ein bisschen enttäuscht waren die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6cb (die Tablets lagen bereits aufgeklappt vor ihnen) am vergangenen Mittwochnachmittag schon, als Herr Wagner die Parole „Bye bye iPad“ ausgab: „Die Geräte brauchen wir erst im zweiten Modul!“

Zunächst trugen die Kinder ihre Erwartungen an das neue Fach zusammen: „Wir lernen bestimmt, wie man Apps öffnet und was man nicht machen darf“, meinte eine Sechstklässlerin. „Ja, und außerdem wie man Informationen im Netz bewertet, was ich hochladen darf und was in den Klassenchat gestellt werden darf und was nicht.“

Achtsamkeit schulen

Die eigene Mediennutzung unter die Lupe nehmen, sich bewusst machen, wieviel Zeit man mit digitalen Endgeräten verbringt – dazu erhielten die Schülerinnen und Schüler einen Fragebogen zum eigenen Medienalltag. Dass es durchaus spannende Alternativen zu Computerspielen und Online-Videos gibt, zeigte die Klasse mit ihren Antworten auf die Frage nach der analogen Freizeitgestaltung: Zeit mit der Familie verbringen, einen Spaziergang mit dem Hund unternehmen, Sport treiben, mit Lego spielen.

Noch wichtiger werden diese Alternativen ab dem zweiten Halbjahr, wenn sich die Bildschirmzeit automatisch erhöht, weil im Unterricht mit dem Tablet gearbeitet wird, betonte Herr Wagner.

Das Recht am eigenen Bild

Anhand verschiedener Beispielsituationen – ein Mädchen postet ein Selfie, auf dem sein Bruder in einer unglücklichen Pose zu sehen ist, auf einem Konzert macht jemand ein Foto zusammen mit dem angehimmelten Star und veröffentlicht es in den sozialen Medien – wurde auf die rechtlichen Bestimmungen hingewiesen.

Im ersten Fall darf ohne Einwilligung des Bruders das Foto nicht veröffentlicht werden, im zweiten Fall handelt es sich um eine Person des öffentlichen Lebens und diese muss mit einer Publikation rechnen. Bei Minderjährigen entscheiden übrigens die Eltern über die Veröffentlichung. Zur Verwendung von WhatsApp, das ab 16 genutzt werden darf, wies Frau Ulrich ausdrücklich auf den Inhalt der Nutzungsvereinbarung hin. Diese wird meist gar nicht gelesen oder nur überflogen. So entgeht den meisten Nutzern, dass die hier geposteten und veröffentlichten Fotos WhatsApp gehören, das Recht am eigenen Bild hat man somit verwirkt.

Nachdenklich stimmte die Sechstklässler auch eine gründliche Analyse einer real existierenden Profilseite, bei der der Name, die Adresse und der jeweilige Aufenthaltsort preisgegeben wurden, ohne groß darüber nachzudenken…

„Geht sparsam mit Daten um“, so die eindrückliche Warnung von Frau Ulrich und Herrn Wagner.

Klassenchat

Gechattet wird viel, sei es über WhatsApp, Messenger, Instagram oder Snapchat, wie die Klasse berichtete. „Ich war nur zwei Stunden beim Eishockeytraining und danach hatte ich 160 ungelesene Nachrichten auf meinem Handy“, erzählte eine Schülerin in diesem Zusammenhang. Reduzieren lässt sich diese Zahl mit einfachen Mitteln: den Klassenchat auf das Nötigste beschränken. Selbst bei Unklarheiten bezüglich der Hausaufgaben hat jeder seinen/ihre Hausaufgabenpaten/-patin, an den/die man sich wenden kann, ohne die ganze Klasse zu behelligen.

Hier nochmals die wichtigsten Tipps zum Umgang mit Medien. Zusammengestellt wurden sie von der Stiftung Medienpädagogik Bayern:

  • Mache dir deine eigene Mediennutzung bewusst, nimm die Nutzung nicht als selbstverständlich hin, nur weil das Handy gerade neben dir liegt.
  • Werde dir über die Gründe klar und überlege dir, warum du ein Medium nutzt. Manchmal ist es nur Langeweile…
  • Erspüre deine Stimmung und ergründe, was die Mediennutzung mit dir macht. Fühlst du dich nervös, entspannt, unruhig oder müde?
  • Setze dir zeitliche Grenzen und überlege vorher, wie lange du spielen oder surfen willst.
  • Achte auf Abwechslung und gestalte deine Freizeit bewusst auch ohne Medien!

OStRin Silke Sachs