Saufen, feiern, Lehrer nerven – mit diesen hedonistischen Vorsätzen brach wohl ein durchaus beträchtlicher Teil der Q12 am Freitag, dem 16.09.2022, in Richtung Barcelona auf. Zu diesem Zeitpunkt lag unser Ziel angesichts der über 20-stündigen Busfahrt allerdings noch in weiter Ferne, wie uns die Navigations-Monitore des nagelneuen Doppeldeckers immer wieder deutlich vor Augen führten.
Dennoch kamen wir nach einer mehr oder weniger nervenaufreibenden Nachtfahrt erschöpft, aber glücklich in Pineda de Mar an, einem kleinen Badeort an der Costa del Maresme nahe der Hauptstadt Kataloniens – und das schon um sechs Uhr in der Früh, also drei Stunden eher als geplant. Doch auch die dezente Grundmüdigkeit, die bereits in der Luft lag, hinderte uns nun nicht mehr daran, den mediterranen Sonnenaufgang am Strand in vollen Zügen zu genießen. Am Nachmittag fuhren wir nach dem Bezug unserer Zimmer und dem Mittagessen im Hotel entlang der Küstenlinie mit Zug und U-Bahn in die Innenstadt Barcelonas, während sich Max und Daniel, unsere erprobten Busfahrer, endlich eine wohlverdiente Pause genehmigen konnten. Neben einem knappen, aber informativen Rundgang durch das gotische Viertel standen auch schon erste Kontakte mit der vielfältigen katalanischen Küche auf dem Programm. Die nächtliche Rückfahrt entwickelte sich allerdings wegen Bauarbeiten und damit verbundenen kurzfristigen Fahrplanänderungen zur regelrechten Odyssee und endete schließlich in einer Busfahrt, die jede Achterbahn in den Schatten stellt.
Darum freuten wir uns am nächsten Morgen umso mehr, als wir den Stadtbezirk Eixample nun wieder aus unserem angestammten Doppeldecker und mit Hilfe der umfangreichen Erläuterungen unserer Oberstufenkoordinatorin und Spanien-Expertin Frau Dr. Wlasak-Feik erkunden konnten. Nach einer erfrischenden Portion Freizeit schloss sich jetzt ein Besuch der Casa Battló an, dem Haus, das keine rechten Winkel kennt. Unter der Planung und Umsetzung des Stararchitekten Antoni Gaudí, der der Stadt im 19. und 20. Jahrhundert seinen einzigartigen Stempel aufgedrückt hatte, wurde es 1912 als Wohnsitz der gleichnamigen Familie fertiggestellt und 1995 für die Allgemeinheit geöffnet – ein Umstand, der uns ganz besondere Einblicke in den spanischen Jugendstil (Modernismus) gewährte. Das Abendprogramm bildeten ein gemeinsames Essen im Hardrock Café, der wohl bedeutendsten katalanischen Pilgerstätte für Musikbegeisterte mit einer Vielzahl von Reliquien aus der bunten Welt des Pop und Rock, sowie eine eindrucksvolle Lichtshow (Nicht Robert!) am magischen Brunnen zwischen Palacio Nacional und Plaza de Espanya.
Am nächsten Morgen – die Frühaufsteher unter uns hatten sich bereits beim Schwimmen im Mittelmeer erfrischt – spazierte zunächst der gesamte Jahrgang gemütlich durch den Park Güell, ein weiteres Meisterwerk Gaudis mit weitläufigen Grünanlagen und unverwechselbaren architektonischen Akzenten, woraufhin wir uns am Nachmittag erstmals in Neigungsgruppen aufteilten. Während der weitaus größere Teil in den Genuss einer Führung durch den Konzertsaal Palau de la música kam, machte sich der Rest zum wissenschaftlichen Museum CosmoCaixa auf, das seinem Slogan „Wissenschaft zum Anfassen“ zur besonderen Freude Herrn Stöckels mehr als gerecht wurde. Obwohl nun schon die Rückfahrt zum Hotel anstand, war der Abend damit noch lange nicht gelaufen: Die beiden Sportlehrer Frau Hofmann und Herr Licht (Diesmal wirklich Robert!) hatten durch die Zusage ihrer professionellen Aufsicht ein mitternächtliches Schwimmen an der Costa Brava ermöglicht.
Am Folgetag musste die Q12 schon etwas früher aus den Federn, was das besonders individuelle Programm aber locker wieder wett machte: Zwei Gruppen setzten sich in den gleichnamigen Museen mit der Kunst Picassos und Miròs auseinander, während ein weiterer Teil im MOCO-Museum auf avantgardistische und zeitgenössische Werke traf. Das klare Kontrastprogramm dazu bildete für die Übrigen ein Ausflug ins Fußballstadion Camp Nou am Rande der Stadt. Da sich inzwischen die unterschiedlichsten Interessensgruppen herauskristallisiert hatten, wurde der Nachmittag der freien Gestaltung überlassen. Beliebte Ziele waren hier zum Beispiel die eindrucksvolle gotische Basilika Santa María del Mar oder der zu den Olympischen Spielen 1992 eigens angelegte Stadtstrand. Den Abend versüßten sich viele von uns dann noch durch ein Bad im Pool auf der Panorama-Dachterrasse des Hotels – natürlich wie immer unter den wohlwollenden Blicken unserer Sportlehrer.
Der Mittwoch, der unseren letzten Tag in der Großstadt bildete, führte uns nun endlich auch in die weltbekannte Sagrada Familia, die wir auf unseren Streifzügen durch die Hauptstadt der Taschendiebe schon oft von Weitem bestaunt hatten. Hier durften wir erfahren, dass das Innere der eindrucksvollen Fassade in nichts nachsteht, wobei vor allem das außergewöhnliche Lichtspiel (Jetzt wieder nicht Robert!) und die schiere, monumentale Größe des noch nicht einmal vollendeten Lebenswerks Gaudís vielfache Faszination hervorriefen. In einem weiteren Rundgang hakten wir die noch ausstehenden Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum zügig ab: Dazu zählten die „Fette Katze“ von Botero, das Hospital de la Santa Creu (die Todesstätte Gaudis) und der Mercat de la Boqueria, auf dem wir uns großzügig mit Spezialitäten aller Art eindeckten. Damit war das Programm in Barcelona schon fast beendet; es fehlte nur noch der Besuch des Aquariums, das bei uns aufgrund der ambivalenten Tierschutzthematik trotz faszinierender Eindrücke aus der Unterwasserwelt eher auf gemischte Gefühle stieß. Im Zuge der allgemeinen Begeisterung beim ersten Mal wurde der Abend erneut durch ein Mitternachtsschwimmen abgerundet.
Am Donnerstag hieß es dann schließlich Kofferpacken, wobei jedoch durchaus noch Zeit für individuelle Aktivitäten wie etwa einen Ausflug in den Nachbarort Calella oder ein letztes Abschiedsbad im Mittelmeer blieb. Nun war aber wirklich die Zeit zur Abfahrt gekommen und wir stiegen – geordneter als gedacht – in den vertrauten Doppeldecker ein. Wie die Fahrt gen Heimat verlief, können wir zu diesem Zeitpunkt (21.24 Uhr) noch nicht mit letzter Sicherheit sagen, da wir gerade in Südfrankreich herumgurken.
Dennoch ist es schon jetzt an der Zeit, allen Beteiligten für eine ganz und gar gelungene Studienfahrt nach Barcelona zu danken: Unseren Lehren Frau Saalfrank, Herrn Licht, Herrn Stöckel und ganz besonders Frau Hofmann, die nicht einmal der wohlverdiente Ruhestand davon abhielt, die Reise souverän wie immer zu begleiten, sowie Frau Dr. Wlasak-Feik, die die Reise durch ihre umsichtige Organisation erst ermöglichte, den beiden Busfahrern Max und Daniel, die uns Tag und Nacht sicher von A nach B fuhren und natürlich dem Strandhotel Mercè, das die Standards einer Klassenfahrt in jeglicher Hinsicht übertraf.
Die Bilanz: Saufen, feiern, Lehrer ärgern? – Wohl kaum. Dennoch war die Fahrt eine echte Gaudi!
PS: Und nun freuen wir uns auf einen warmen Empfang im viel zu kalten Selb.
Philipp Roßner und Johannes Pufe, Q12

