Besuch der Selber Tafel

Der Ethikkurs der 6. Jahrgangsstufe besuchte am Donnerstag, dem 7. Mai 2026, die zu Fuß knapp 25 min entfernte Tafel in Selb. Von ihrem Leiter Peter Enzi erfuhren die 15 Schülerinnen und Schüler, wie die Tafel organisiert ist: von der Registrierung der bezugsberechtigten Kundinnen und Kunden über die Abholung sowie die unter strengen hygienischen Vorgaben erfolgende Sortierung und Lagerung der Lebensmittel bis hin zur Ausgabe zu festen Öffnungszeiten. Träger der Selber Tafel ist der Malteser Hilfsdienst e. V., der 1953 gegründet wurde und dessen Wurzeln zum Erstaunen der Schülerinnen und Schüler bis auf eine Ordensgründung im 11. Jahrhundert zurückgehen.

Spätestens seit der Corona-Pandemie läuft die Ausgabe bei der Selber Tafel besonders strukturiert ab: Die Kundinnen und Kunden warten vor der Tafel, bis ein Einkaufswagen frei wird, und durchlaufen anschließend verschiedene Bereiche wie die Frischwarenabteilung und die Stationen für kühlpflichtige Lebensmittel und Backwaren. Die Reihenfolge wechselt dabei wöchentlich mithilfe eines Farbsystems, sodass jede Familie einmal früher und einmal später an die Reihe kommt. Diese über die Jahre entwickelte Organisation zeigt das sichtbare Bemühen um Fairness.

Darüber hinaus bietet der Standort in Selb weitere Unterstützungsangebote: Neben der Lebensmittelausgabe gibt es auch eine Kleiderkammer sowie eine Möbelvermittlung, wodurch Menschen in schwierigen Lebenssituationen noch umfassender unterstützt werden.

Die Schülerinnen und Schüler hörten aufmerksam zu und nutzten immer wieder die Gelegenheit, Fragen zu stellen – darunter auch kritische. So wurde etwa gefragt, wie überprüft werde, ob Menschen tatsächlich auf Unterstützung angewiesen seien und ob das System missbraucht werden könne. Diese Frage steht in direkter Verbindung zu Themen des Ethikunterrichts wie Gerechtigkeit und Sozialstaatlichkeit. Herr Enzi erklärte, dass bestimmte Nachweise erforderlich seien, um Leistungen der Tafel beziehen zu können.

Ebenso eng mit dem Fach Ethik verknüpft ist die Frage nach ehrenamtlichem Engagement: Rund 80 freiwillige Helferinnen und Helfer engagieren sich inzwischen bei der Selber Tafel und ihren Ausgabestellen. Sie holen Lebensmittel ab, sortieren Waren, organisieren die Ausgabe oder übernehmen Lieferdienste. Damit wird die Tafel zu einem konkreten Beispiel für gelebte Nächstenliebe und die im Ethikunterricht zentrale Frage nach verantwortlichem Handeln in der Gesellschaft. Es braucht vor allem eine Vision einer sozialen Gesellschaft und viel Engagement, um einem ehemaligen Supermarkt in einen Ort der Unterstützung und Begegnung zu verwandeln, damit auch weniger privilegierte Mitglieder der Gesellschaft an der Tafel Platz nehmen können.

Für die Kinder war der Besuch ein erkenntnisreicher Ausflug, der ihnen ein anschauliches Beispiel gelebter Nächstenliebe vor Augen führte. Besonderer Dank gilt Herrn Enzi für seinen unermüdlichen Einsatz bei der Selber Tafel und den Denkraum, den er durch diesen Besuch für unsere jungen Gesellschaftsmitglieder eröffnet hat.

Jolien Schrader