Blog „Schüler schreiben für Schüler“ – ein Interview mit Herrn Gebauer

Unser Redaktionsmitglied Antonia führte ein Gespräch über den Distanzunterricht.

Seit mehreren Wochen müssen wir uns mit dem Distanzunterricht herumschlagen, einige haben dabei mehr zu tun als andere oder sie kommen gut damit zurecht und haben weniger Stress. Genau bei diesem Stichwort dachte ich mir, wie es im Distanzunterricht eigentlich den Lehrern ergeht, vor allem die „Vollzeit- Lehrkräfte“ könnten es meiner Meinung nach schwer haben. Deswegen habe ich mir einen Lehrer unserer Schule ausgesucht und ihm ein paar Fragen gestellt, damit ich meine Mitschülerinnen und Mitschüler und andere Klassen erfahren, wie sich alles aus der Sicht unseres Biologie- und Chemielehrers abspielt. Nochmals ein Dankeschön, Herr Gebauer!

Lehrer-Alltag im Distanzunterricht

Zuerst fragte ich, wie sich der Alltag im Gegensatz zu früher, als wir noch Präsenzunterricht hatten und uns alle sehen konnten, verändert hat. Herr Gebauer antwortet darauf: „Auch jetzt im Distanzunterricht ist mein Alltag noch sehr strukturiert. Allerdings hat sich die Art der Strukturierung grundsätzlich geändert, so arbeite ich fast am ganzen Wochenende, habe dafür aber zum Beispiel in der Mitte der Woche etwas weniger zu tun.“ Die hohe Arbeitsbelastung kennen wir Schüler nur zu gut, nur ist es bei uns umgekehrt und wir haben am Wochenende zum Glück weniger zu tun. „Insgesamt sind das Arbeitspensum und die Zeit am Schreibtisch aber wesentlich größer und länger geworden; ohne eine gewisse Zusammenarbeit untereinander ist das eigentlich nicht mehr zu schaffen. Und selbst damit sind die Arbeitszeiten im Moment – bei sechs Klassen, zwei Oberstufenkursen und einem W-Seminar – wirklich extrem.“ Wir freuen uns, dass Sie trotzdem so viel Zeit in die Schule und die Unterrichtsvorbereitung investieren.

Und wie sieht es mit der Technik aus?

Zum Glück haben wir die Möglichkeit Videokonferenz abzuhalten, damit wir trotzdem im „Unterricht“ sein können und mit dem Stoffpensum hinterherkommen. Einen Nachteil gibt es aber: Manche Schülerinnen und Schüler haben mit unseren Unterrichtsplattformen Big Blue Button (BBB) und MS Teams Schwierigkeiten. Wie kommen Sie, Herr Gebauer, damit zurecht? Haben Sie auch Probleme?

„Nach der etwas schwierigen Startphase läuft BBB inzwischen eigentlich ganz stabil. Häufig ist es eher die Internetverbindung in eher ländlichen Orten, die ein Problem darstellt.“ Bestimmte Dinge, die man im Präsenzunterricht gewohnt war, funktionieren aber auf diesem Weg nicht so einfach, stellt Herr Gebauer fest. Dieser Einschätzung kann man nur zustimmen. Trotz alledem: „…wäre es wirklich schön, wenn man sich nicht an so vielen Stellen auf die Eigeninitiative der Lehrkräfte verlassen würde.“ Wenn man bedenkt, dass die Lehrerinnen und Lehrer schon seit dem Ausbruch der Pandemie den gesamten Distanzunterricht über ihre privat gekauften Geräte halten, denke ich, das ist ein tolles Engagement. „Das soll sich jetzt nach und nach ändern“, meint Herr Gebauer im Hinblick auf Leihgeräte, die der Schule bald zur Verfügung gestellt werden sollen.

Uns Schülerinnen und Schülern stehen Leihgeräte und im Bedarfsfall auch eine Notbetreuung zur Verfügung.

Unterrichtsmethoden in Distanz und Präsenz

Unser Kultusminister Michael Piazolo sagte selbst, Distanzunterricht könne nicht gleichwertig Präsenzunterricht ersetzen. Dazu meinte Herr Gebauer; „Grundsätzlich ist der Präsenzunterricht durch den Distanzunterricht nicht zu ersetzen. Das liegt daran, dass viele Unterrichtsmethoden, die man im Präsenzunterricht machen kann, in der Distanz einfach nur sehr eingeschränkt möglich sind – zum Beispiel naturwissenschaftliche Experimente.“ Das ist komplett nach vollziehbar, Herr Gebauer unterrichtet unter anderem auch meine Klasse und ich kann aus eigener Erfahrung sprechen, wenn ich sage, dass die Experimente in Biologie, die in den Konferenzen ausgeführt werden, den originellen Versuch, den man vor Ort beobachten kann, kaum ersetzen kann.

„Aber natürlich sind jetzt im Distanzunterricht auch Unterrichtsformen möglich, die bisher nur sehr selten Anwendung gefunden haben.“ genauer gesagt meinte er die Verwendung von Lern- und Übungsprogrammen. „Mein Traum wäre es, dass wir aus der momentanen Phase lernen und es in Zukunft einfach selbstverständlich ist, dass Schülerinnen und Schüler zumindest zu Hause einen Laptop oder ein Tablet haben, sodass wir die Möglichkeiten und die Fähigkeiten, die wir im Distanzunterricht erhalten haben, auch in Zukunft nutzen können.“

Mal wieder miteinander lachen…!

Am wichtigsten war mir, im Interview herauszufinden, was Herr Gebauer als Lehrer persönlich vom Distanzunterricht mitnimmt und welche Aspekte er am meisten vermisst, immerhin fehlt fast jedem von uns etwas, seitdem wir zuhause sind, vor allem die Freunde und die sozialen Kontakte. „Am meisten vermisse ich die Interaktion mit den Schülern, ich habe diesen Beruf unter anderem gewählt, weil ich Menschen mag und gerne um mich habe. Einfach mal miteinander lachen, ein direktes Gespräch miteinander führen können, mein Gegenüber zu sehen – das fehlt mir sehr. Ich glaube, viele von uns würden sich zurzeit nichts mehr wünschen, als dass wir alle wieder normal in der Schule sein können und unsere gewohnte Arbeit machen können – Schüler und Lehrer!

Meine Hoffnung für die Zeit nach der Pandemie wäre, nicht so schnell zu vergessen, dass es eine Phase gab, in der wir diesen Wunsch so sehr hatten. Umso mehr sollten wir die Möglichkeiten schätzen und nutzen, die es dann wieder geben wird!“

Besser hätte ich es selbst nicht sagen können! Wir alle hoffen, dass unser Leben bald wieder normal sein wird. In diesem Sinne zum Abschluss nochmal ein großes Dankeschön an Sie, Herr Gebauer, für Ihre Zeit, trotz der momentan besonders hohen Arbeitsbelastung!

Antonia Lutter, Klasse 10b