„Wird denn alles klappen?“, „Wie viele Besucher werden denn kommen?“, „Können wir das Organisieren denn überhaupt noch?“ Solche und ähnliche Fragen haben sich all diejenigen sicherlich in den letzten Wochen und Monaten gestellt, die am Weihnachtskonzert 2022 des WGG Selb gefeilt, gearbeitet und mitgewirkt haben. Mit dem Verklingen des letzten Tons des Abschlusslieds „Tochter Zion“ durften sie feststellen: ja, es hat alles geklappt; ja, Organisieren geht immer noch und ja, die Besucher sind zahlreich gekommen – und vor allem: sehr, sehr gerne!
Auch für diese Veranstaltung hieß es: zum ersten Mal wieder! Seit 2019 war ein Konzert in dieser Größenordnung nicht möglich gewesen, jetzt endlich durften alle Musikbegeisterten wieder ran. Die Pandemie hat sicherlich viele Auswirkungen gehabt, die Liebe zur Musik konnte sie nicht schmälern und deswegen waren auch viele alte Bekannte in der Selber Stadtkirche unter den Mitwirkenden zu finden.
Aber auch neue Gruppen und Gesichter mischten sich darunter, so machte die erste Bläserklasse der Schule, die seit 2021/22 gemeinsam musiziert, den Auftakt; unter der Leitung von Florian Niedrig begrüßte sie die Besucherinnen und Besucher mit „Süßer die Glocken nie klingen“. Schon waren Nieselregen und Tauwetter vergessen, die weihnachtliche Stimmung hielt Einzug in die Kirche. Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann freute sich sehr, dass das Konzert so gut angenommen wurde, bei diesen positiven Voraussetzungen konnte es nur ein gelungener Abend werden, der die Zeit bis zu den Weihnachtsfeiertagen verkürzte und vergnüglich gestaltete.
Danach gehörte die Bühne dem Instrumentalensemble, das mit „My Favorite Things“ von Richard Rogers dazu einlud, sich über die Dinge Gedanken zu machen, die auf jeden Fall zu Weihnachten gehören. In diesen schwierigen Zeiten ist es ganz sicher der Friede, den sich viele Menschen wünschen, entsprechend berührend war Marie Stöhrs Auftritt, als sie John Lennons Weihnachtssong „War is Over (Happy XMas)“ vortrug. Wenn man nur will, gibt es Frieden, von jetzt auf gleich…Marie Stöhr besucht die Q12 und hat schon viele Konzerte hinter sich, ihre Premiere feierten dagegen die Kinder des Unterstufenchors und der Stabspielgruppe, die Musikreferendar Joel Dicker vorbereitet hatte, sie verbreiteten vorweihnachtlichen Glanz in der Kirche, als sie verkündeten: „Sind die Lichter angezündet“ (Erika Engel-Wojahn & Hans Sandig), anschließend nahmen sie die Besucher auf eine Reise in den hohen Norden mit, „Jul, Jul, Strålande Jul (Gustaf Nordquist & Edvard Evers) erzählte in leisen Tönen vom weihnachtlichen Skandinavien.
Ebenfalls ihren ersten großen Auftritt hatte die neue Bläserklasse, die in der 5cb angesiedelt ist. Musiklehrer Mathias Elser stellte die Gruppe vor und bedankte sich bei seinen Schülerinnen und Schülern, denn auch sie waren der aktuellen Krankheitswelle nicht ganz entkommen, wollten aber unbedingt beim Konzert dabei sein und legten sich bei „Jingle Bells“ auch mächtig ins Zeug. Trotz nur weniger Wochen der Arbeit mit den Instrumenten oder der Proben im Chor waren die Leistungen der Jüngsten auf ihre Weise genauso beeindruckend wie die der „alten Hasen“; an diesem Abend trugen die Begeisterung und die Leidenschaft für die Musik ihr Teil dazu bei, um jeden einzelnen Auftritt ganz besonders werden und rund klingen zu lassen.
Im Publikum wurden natürlich kräftig die Daumen gedrückt, egal, ob bei den Schülerinnen und Schülern aus der 5. Jahrgangsstufe oder den Älteren, geholfen hat es sicher jedes Mal. Linn Glinski (Q12) brachte das Bild des Kaminfeuers am Weihnachtsabend in die Kirche mit dem „Christmas Song“ (Robert Wells & Mel Tormé), die Kerzen zündete der Unterstufenchor an und konnte erzählen, dass „Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen“. Die Schülerinnen und Schüler kommen auch mit schwierigeren Melodien gut zurecht, wie sie bei „Maria durch ein Dornwald ging“ bewiesen.
Andachtsvoll wurde es, als Jeroen Sigl (10as) Johann Sebastian Bachs Fuge in g-Moll darbot, bis zum letzten Anschlag herrschte gespannte Erwartung, welche Fortsetzung das Stück noch erfahren würde. Das Vokalensemble unter Leitung von Florian Niedrig blieb mit Max Regers „Mariä Wiegenlied“ zunächst im klassischen Bereich, beschwingter wurde es mit „That’s Christmas to me“, im Original von den Pentatonix – der Zusammenklang der verschiedenen Stimmen kam hier besonders schön zur Geltung, als sie davon erzählten, was Weihnachten für jeden einzelnen ausmacht.
Ein Klassiker, den jeder kennt, ist natürlich „Let it snow“ (Sammy Cahn, Jule Stein), den die Jazz-AG von Mathias Elser zusammen mit Mariia Golovko aus der Brückenklasse präsentierte – und mit allen Anwesenden. Denn die durften den Titel immer wieder anstimmen und die Flocken zumindest gedanklich rieseln lassen. Wie das mit dem Schnee eben so ist, er fällt, wie er will, auch der Einsatz des Publikums folgte nicht immer ganz dem Rhythmus des Lieds, aber das machte die Szenerie nur umso lebendiger. Am Ende klappte das Zusammenspiel von Mathias Elser und Mariia Golovko perfekt, sie fragte ihn nach dem Schnee, der gerade fiel – den mag er, doch das Abschiednehmen, von dem im Song die Rede ist, gar nicht, und so ging es sicher auch allen Besuchern, sie wollten noch nicht gehen und das mussten sie auch nicht, stattdessen durften sie den gemeinsamen Auftritt von Mittel- und Oberstufenchor, dem Instrumentalensemble und einigen Kindern aus dem Unterstufenchor genießen, der den Schlussakkord des Konzerts einleitete.
Nachdem die Jazz-AG es hatte schneien lassen, freuten sich alle über ein „Winter Wonderland“ (Dick Smith, Felix Bernard) und riefen dann dazu auf, das Weihnachtsfest zu feiern und Jesus Christus zu preisen und anzubeten, „O come all Ye faithful“ (John Francis Wade) bot den großen wie den kleinen Sängerinnen und Sängern die passende Gelegenheit für diese Botschaft. Der Gesang und die Klänge der Instrumente füllten in diesem Moment die Stadtkirche bis in den letzten Winkel aus, das war zu spüren.
Der Friede soll Einzug halten an Weihnachten, ein Augenblick der Ruhe soll den Menschen gegeben werden, das Weihnachtskonzert soll dazu helfen, diese Ruhe zu finden. Nicht überall ist das auf der Welt in diesen Tagen möglich, deshalb schloss der Abend mit einem Gebet für den Frieden und die Hoffnung auf Versöhnung zwischen den Menschen. Tabea-Stephanie Amtmann bedankte sich sehr herzlich bei allen Mitwirkenden für ihr Engagement in der Vorbereitung und bei der Durchführung des Abends: bei den Schülerinnen und Schülern, die viel Zeit und Leidenschaft investierten und bei den Lehrkräften Florian Niedrig, Mathias Elser und Joel Dicker, deren Passion für die Musik den Kindern und Jugendlichen die Entscheidung über ein Mitwirken ganz sicher erleichterte.
Während die beiden Stammlehrer gleich auf der Bühne blieben, machte sich Joel Dicker auf den Weg auf die Empore, denn er intonierte an der Orgel das Schlusslied des Abends. Mit „Tochter Zion“ endeten knapp eineinhalb abwechslungsreiche, kraft- und stimmungsvolle Stunden Weihnachtskonzert, die sicher bei allen noch nachhallen werden und nach denen das Motto für 2023 eigentlich schon feststeht: aus „Endlich wieder“ wird dann „Gerne wieder!“
OStR Jens König

