Der erste Blog-Beitrag aus der Reihe „Schüler schreiben für Schüler“ stieß auf großes Interesse. Ein herzliches Dankeschön für das freundliche Feedback, das das Mini-Redaktionsteam natürlich sehr motiviert. Hier nun ein weiterer Beitrag, wie der Distanzunterricht aus Schülersicht erlebt wird.
Die Corona-Zeit und was sie mit uns macht
Der Anfang des Ganzen:
Heute würde ich gerne über meinen Corona-Alltag reden und wie sich die Schule verändert hat. Beginnen wir mit dem ersten Lockdown. Der Tag, an dem es hieß, wir dürfen zu Hause bleiben, hat alles verändert. Wir waren alle sehr aufgeregt und keiner wusste, wie es weitergeht. Langsam aber sicher machte man sich vertraut mit moodle und den Wochenplänen. Das ganze Training und andere Hobbys sowie das Treffen mit seinen Freunden fielen auf einmal weg. Ich habe meine besten Freunde ziemlich vermisst. Keiner wusste, wie lange das Ganze noch weiter geht, aber ich denke, niemand hat zu dem Zeitpunkt damit gerechnet, dass wir im Februar nächsten Jahres immer noch daheim sitzen. Die Wochenpläne waren schön. Ich habe meistens alle Aufgaben am Montag erledigt und hatte dann den Rest der Woche frei. Die Wochen im Wechselunterricht fand ich sehr angenehm und ich habe gute Erinnerungen an die Zeit. Wir haben manche Mitschüler neu kennengelernt und neue Freundschaften geknüpft. Die Sommerferien waren mehr ein Schrei nach Hoffnung als Erholung. Man saß die ganze Zeit allein daheim und war nicht wirklich aktiv. Den Urlaub konnte man mit der ständigen Angst, die Verwandten anzustecken, auch nicht richtig genießen.
Das neue Schuljahr – ein holpriger Start
Die ersten Schulwochen waren, wie auch in den Zeiten vor den Ferien, sehr ungewiss und mehr oder weniger eher ein Glücksspiel. Muss man in Quarantäne oder wie lange darf man noch in der Schule bleiben? Tag für Tag kamen neue Regeln und neue Schüler waren im Homeschooling. Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich nicht mehr ganz genau an die Zeit zwischen Lockdown 1 und Lockdown 2, denn sie verging wie im Flug und kaum hatte die Schule wieder begonnen, saßen wir auch schon wieder in Quarantäne. Diese Zeit daheim war anders. Wir haben täglich mit der ganzen Klasse kommuniziert und manche von uns hatten Corona. Ich glaube, uns war allen bewusst, wie ernst die Lage war, aber letztendlich haben wir uns wieder erholt. Diese Zeit ging jedoch enorm auf die Psyche, denn man wusste nicht, wie, wann und ob es weiter geht. Das Datum für den Coronatest verschob sich täglich und auch der Zeitpunkt, wann wir wieder in die Schule dürfen. Man konnte nichts organisieren und man hat sich verrückt gemacht. Es fiel eine große Last von uns, als es hieß, wir werden bis zum nächsten Jahr nicht mehr in die Schule gehen können, denn es standen noch diverse Exen und Schulaufgaben bevor, für die noch keiner so wirklich gelernt hatte. Niemand konnte sich auf die Schule konzentrieren.
Weihnachtsferien und wie man sich die Zeit vertreibt
Als dann endlich Ferien waren, hatte man absolut nichts mehr zu tun. Man konnte ja niemanden treffen. Im ganzen Lockdown war ich täglich in Kontakt mit meinen besten Freunden und wir haben oft telefoniert. Schön am Lockdown finde ich vor allem eine Sache: Man lernt neue Freunde kennen und frischt die Freundschaften mit alten Bekannten wieder auf. Täglich schreibe ich mit einem Mädchen, das ich einmal getroffen habe, und wir verstehen uns sehr gut. Man kommt auch mehr in Kontakt mit Klassenkameraden und es bilden sich Freundschaften, von denen man nie gedacht hätte, dass sie möglich sein. Über social media habe ich andere Menschen kennengelernt und wir sind täglich stundenlang in Kontakt. Es ist wirklich erfreulich Leute zu kennen, die im selben Boot sitzen. Ein Junge, den ich im Internet kennengelernt habe, wohnt in Südafrika. Wir schreiben uns auf Englisch und es ist so schön, die eigenen Englischkenntnisse unter Beweis zu stellen und täglich mit ihm zu kommunizieren. Das sind wirklich tolle Erfahrungen. Wir sind ziemlich gute Freunde geworden und telefonieren sogar manchmal. Die Freundschaften und der Kontakt mit anderen – das gibt einem die Motivation weiter zu machen.
Einkaufen – das Highlight
Man kommt fast nie raus. Ich erinnere mich an eine Situation, als meine Mutter mich fragte, ob ich mit zum Einkaufen fahren möchte. Ich war extrem aufgeregt und sagte ja, denn ich war seit Wochen nicht draußen. Sie sagte „Das wird dann das Highlight der Woche für dich.“ und ich antwortete „Wohl eher das Highlight des Monats“. Traurig eigentlich. Ich habe Angst, dass ich mich durch Corona ein bisschen de-sozialisiere, denn als ich mit beim Einkaufen war, habe ich mich so hilflos und schutzlos unter den ganzen Menschen gefühlt und ich wusste überhaupt nicht mehr, wie ich mich verhalten soll. Sobald ich die Maske abgezogen hatte, habe ich mich irgendwie angreifbar gefühlt, als hätte jeder Zugriff auf meinen Gesundheitszustand.
Die Corona-Zeit und ihre Folgen
Allgemein macht man im Moment viele neue Erfahrungen und findet neue Beschäftigungen und Hobbys. Ich habe zum Beispiel meinem Vater die Haare geschnitten oder angefangen Keyboard zu spielen. Ich habe zwar keinen Lehrer dafür und werde es wahrscheinlich auch nie gut können, aber es macht Spaß, über YouTube Lieder zu lernen und es sich selbst beizubringen. Außerdem vergeht so die Zeit schneller. Mir gefällt seit Neustem auch das Ausdrucken und zeichnen von Gesichtern berühmter Personen. Vor Corona hätte ich niemals die Zeit und Geduld dafür gehabt. Leider macht das Training allein daheim nicht so viel Spaß und es ist schwer sich zu motivieren. Ich würde schon gerne mal wieder in die Halle gehen und mit meinen Freunden trainieren. Man hat Angst, dass durch Corona wichtige Jahre der Jugend und somit des Lebens verloren gehen. Die Jugend ist die Zeit, in der man am meisten erlebt und ausprobiert. Diese Zeit wird nicht wieder kommen. Ein Jahr meines Lebens habe ich durch Corona verloren und die Ungewissheit, wann es weiter geht und wann alles wieder normal sein wird, beunruhigt mich. Was, wenn es nie so wird, wie vorher? Was wenn sich alles zwar wieder erholt, aber trotzdem für immer irgendwie anders bleibt? Ich denke, die Corona-Zeit hat uns alle verändert. Ich denke viel mehr über alles nach und am Anfang jedes Lockdowns bin ich relativ emotional verwirrt und Plan los. Die Zeit hat mich dahingehend verändert, dass ich gelernt hab, trotzdem taff zu bleiben und auch wenn die Dinge nicht so gut laufen weiter zu machen und sich nicht klein kriegen zu lassen, denn die Sorgen werden dadurch immer größer und man geht innerlich kaputt. Man wir pessimistisch, wenn man keine Hoffnung oder einen Plan hat, und ich denke, jeder von uns hat seine eigenen Erfahrungen damit gemacht und gelernt, damit zurecht zu kommen. Bei den Einen mehr, bei den Andren weniger. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Ich denke wöchentlicher Wechselunterricht wäre sehr schön, und man könnte die Schule, Lehrer und Freunde mal wieder zu Gesicht bekommen. Ich habe die Schule seit November nicht gesehen. Mal schauen, wann wieder Präsenzunterricht stattfinden kann. Was sich w in der Zeit wohl verändert hat?
HaKon, aus der Mittelstufe des WGGs
