Ende Juli 2022 wanderten Schülerinnen und Schüler der Q11 im Rahmen eines P-Seminars unter Begleitung von Frau Dr. Wlasak-Feik und Frau Alkan den „Camino de Santiago“ entlang.
Tag 1 (Freitag)
Am Freitag, dem 22.07.2022, begann unsere Reise gleich mit einer Komplikation: Der ursprünglich geplante Zug ab Marktredwitz fiel kurzfristig aus. Also mussten wir alle mit dem Pkw nach Weiden fahren, wo um 5:25 Uhr unsere Reise mit einer Zugfahrt zum Flughafen München (mit Umsteigen in Regensburg) losging.
Da Weiden um die 70 km entfernt von unseren Wohnorten liegt, bedeutete das natürlich eine sehr kurze Nacht und einen sehr langen Tag für uns. Das Schlafdefizit versuchten einige in Zug und Flugzeug auszugleichen. Dennoch waren alle am Ende des Tages sehr erschöpft. Erstmal ging die Reise für uns um 10:40 Uhr mit einem Flug nach Madrid weiter. Für viele war das das erste Mal in Spanien, für einige sogar das erste Mal Fliegen.
Gegen 13:30 Uhr in Madrid angekommen, liefen wir mit zügigem Schritt zur nächsten Bushaltestelle, um den Bus in den Stadtkern zu nehmen. So sahen wir im Vorüberfahren viele berühmte Bauwerke und Denkmäler wie die beiden Brunnen, an denen Madrids rivalisierende Fußballclubs jeweils ihre Siege feiern, oder den Parque del Buen Retiro, das Prado-Museum…
Da wir wenig Zeit hatten, war auch der Zeitplan sehr straff. Wir besuchten das Museum Reina Sofía, um uns dort Picassos beeindruckendes Werk „Guernica“ im Original anzuschauen. Das war sehr naheliegend, da wir auf unserem Abschnitt des Camino del Norte noch durch das echte Guernica kommen werden. Nach dem sehr kurzen Museumsbesuch ging es mit schnellem Schritt durch die Stadt zur Plaza de Santa Ana, wo wir auf Empfehlung von Frau Wlasak sehr leckere Tapas aßen. Nach dem Mittagessen mussten wir schon weiter zur Puerta del Sol, einem der zentralsten Plätze Madrids mit dem Kilómetro Cero, dem Ort, wo 6 Nationalstraßen Spaniens beginnen. Von dort ging es per U-Bahn zurück zum Flughafen, wo wir relativ zeitnah unseren Flug nach San Sebastián boarden mussten.
Um 19:30 Uhr ging dieser los und gegen 20:30 Uhr kamen wir endlich in San Sebastián im Baskenland an. Dort ging es mit dem Taxi zu unserer Herberge, wo wir schnell unsere Sachen ablegten und in die Stadt fuhren, um uns in der superschönen Altstadt und der Promenade am Meer umzuschauen und noch etwas zu essen, bevor es dann endlich schlafen ging.
Tag 2 (Samstag)
Wir haben es geschafft. Trotz kleiner Planänderung sind wir alle gut in unserer heutigen Herberge angekommen.
Gestartet waren wir um halb 9 Uhr und frühstückten in einem Café direkt an der Uferpromenade in der Bucht von San Sebastian. So gestärkt, ging es für uns los, um das erste Etappenziel in Getaria zu erreichen. Auf unserem Weg, der etwas undeutlich ausgeschildert war, gerieten wir auf einen Nebenweg des Camino de Santiago. Dieser bot zwar tolle Ausblicke aufs Meer, war aber so dicht von Vegetation eingewachsen, dass unsere Wanderung eher wie eine Expedition in einen Dschungel wirkte, teilweise sehr anspruchsvoll und etwas gefährlich war.
Nach Absprache mit der ganzen Gruppe kehrten wir um, um zurück in die Stadt zu gelangen. Dort trafen wir weitere Absprachen, aus denen folgte, dass wir – weil es nun schon recht spät geworden war und die ungewollte „Expedition“ einige recht erschöpft hatte – nun mit dem Bus nach Zarautz abkürzen würden, um von dort aus das nächste Stück zu absolvieren. Dies taten wir nach einer gemütlichen Pause in den dortigen Strandcafes. Wir folgten dem Weg, der uns direkt am Meer entlang nach Getaria, hoch auf einem Felsen, führte.
Erfolgreich kamen wir so um 17.30 Uhr in der Unterkunft an. Nach einer kleinen Nachbesprechung des Tages und der Planung des weiteren Abends und des nächsten Tages ging es nach kurzer Pause zum Frischmachen in kleinen Gruppen in das sehr belebte Städtchen, um den Tag dort noch ausklingen zu lassen.
Tag 3 (Sonntag)
Unser 3. Tag begann um 7:30 Uhr, wir starteten mit einem Frühstück in der Herberge. Danach liefen wir 6 km bis Zumaya. Dort teilten wir die Gruppe und aßen Tortilla in den typischen Bars von Spanien. Nachdem wir uns alle wieder getroffen hatten, fuhren wir mit dem Bus nach Deba. Dort entschieden wir, die Gruppe zum Laufen nochmals zu teilen. Der Grund dafür war, dass manche von uns Probleme mit den Füßen oder dem Kreislauf bekommen hatten. Die Gruppe, die lief, wanderte 5 km bergauf bis zur hoch oben gelegenen Herberge.
Gruppe 2 entschied sich dazu, den Bus zu nehmen. Dieser startete in Deba und kam schließlich in Mutriku an. Von dort aus gab es keine öffentliche Verkehrsverbindung hinauf auf den Berg. Auf der Suche nach einem Taxi verliefen wir uns in das Zentrum. Wir landeten bei dem wichtigsten Fest der Stadt. Sämtliche Straßen waren zur Sicherheit der Leute gesperrt worden, um einem Rennen mit einem nur durch einen Strick befestigten Stier ausreichend Platz zu lassen. Nach vielem Fragen in der Menge fand sich schließlich ein freundlicher Mann (außerdienstlicher Taxifahrer), der uns zu unserer Herberge brachte. Was für eine Erleichterung!
Dort bekamen wir ein nach Hausrezept gekochtes Abendessen mit Vor- und Nachspeise. Den Abend ließen wir mit Uno spielen und gemeinsamen beisammen sitzen ausklingen.
Tag 4 (Montag, der 25. Juli, Jakobstag)
Dieser ist der höchste Feiertag der Pilger des Camino de Santiago, weshalb es auch für uns eine Ehre und ein Erlebnis war, diesen Pilgerweg an einem solchen Tag zu begehen. Unser Weg führte uns von unserer Herberge, die sich mitten in den Bergen befand, nach Mutriku, einem kleinen Fischerstädtchen an der Atlantikküste. Dort mussten wir leider einen Schüler mit dem Bus weiter nach Ondarroa schicken, da er sehr starke Probleme mit den Füßen hatte. Mutriku ist der Ort, in dem ein Teil unserer Gruppe am Tag zuvor in die Festivitäten der Stierhatz geraten waren. So war es naheliegend für unsere Lehrerinnen, sich bei dem netten Herren in der Touristeninfo für seine Hilfe zu bedanken.
Wir hielten uns nicht lange dort auf, sondern liefen unsere Etappe bis in das Städtchen Ondarroa, wo wir uns wieder mit dem Schüler, der den Bus nehmen musste, vereinten. Der Weg dorthin führte über einen Berg an der Küste entlang und bot atemberaubende Ausblicke auf den Atlantik und die Klippen des Baskenlandes. Eine Strecke durch einen sehr dichten Wald führte uns zu einem sehr schönen Strand in der Nähe der Stadt, welchen wir uns noch anschauten, bevor wir nach Ondarroa weiter liefen. Dort stärkten wir uns bei einem Mittagessen und etwas Freizeit in der Stadt. Wir hatten das Glück, dass in der Stadt gerade ein Fest gefeiert wurde und wir traditionellen baskischen Tänzen zusehen konnten.
Nach der kleinen Erkundungstour in der Stadt ging es mit dem Bus weiter nach Markina-Xemein. Sehr auffällig im Baskenland sind der starke Nationalismus und der Wunsch nach Unabhängigkeit. Man konnte fast keine spanische Flaggen sehen, baskische hingegen waren überall, oft in Begleitung mit politischen Plakaten, die die Unabhängigkeit forderten. Auch die baskische Sprache ist sehr präsent – mit die älteste Sprache Europas, die mit keiner anderen verwandt zu sein scheint. In Markina-Xemein angekommen liefen wir zu unserer Herberge, einer wunderschönen Berghütte mit traumhaftem Ausblick auf die Berge, wo wir direkt von den Hunden der Herbergenbesitzer begrüßt wurden. Dort gab es Abendessen für uns und wir konnten unsere Wäsche waschen. Zuletzt ließen wir den Abend bei einer Runde UNO mit Blick in die Berge ausklingen…
Tag 5 (Dienstag)
An unserem fünften und letztem Tag vor unserer Rückreise nach Deutschland starteten wir mit einem Frühstück in der Herberge Casa Rural Intxauspe landetxea in Markina. Nachdem wir uns mit unseren Regencapes und Regenschirmen für den überraschend aufgetretenen Regen gerüstet hatten, ging es auch schon zu der nähesten Bushaltestelle, um Richtung Bilbao zu fahren.
Nach einer langen Fahrt durch das bergige Biosphäreservat Urdaibai stiegen wir in einem kleinen Dorf in einen anderen Bus um, der uns nach Gernika brachte. Damit wir die tragische Geschichte der Stadt besser verstehen konnten, haben wir dort einen Stopp eingelegt, um uns die Stadt und die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Wir sahen Bilder, die entstanden sind nach dem Zerbomben dieser Stadt durch deutsche Flieger kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Nach der Besichtigung der Stadt begaben wir uns zu einem Bahnhof, um mit dem Zug nach Bilbao zu fahren.
Dort angekommen, war unser erstes Ziel, unsere Sachen im Quartier Bilbao, unserer Herberge für die letzte Nacht in Spanien, zu verstauen und uns frisch zu machen. Aufgrund einiger Komplikationen mit dem Check-In der Flüge einiger Schüler von Madrid nach München beschlossen unsere Lehrkräfte, die Schüler, welche das Guggenheim Museum besuchen wollten, nicht dorthin zu begleiten und statt dessen sich um dieses Problem zu kümmern. Nachdem wir in unsere Herberge eingecheckt hatten, war es uns somit bis 19:30 Uhr frei überlassen, wie wir uns in Bilbao beschäftigen. Diese Zeit nutzten wir ausgiebig, um die belebten, engen Gassen der Altstadt Bilbaos zu besichtigen und ihre Barrios und Restaurants zu besuchen. Zum letzten Mal vor unserem Abflug genossen wir die Atmosphäre der spanischen Gastronomie und den Geschmack der Pintxos. Einige von uns besuchten in der Zeit das Guggenheim-Museum und waren davon sehr beeindruckt.
Um 19:30 Uhr versammelten wir uns alle zusammen mit den Lehrerinnen vor der Jakobskirche, um diese zu betreten und zu besichtigen. Diese Besichtigung brachte uns die Erfahrung der Pilger näher, die schon vor Jahrhunderten den Jakobsweg begingen und sich in dieser Kirche für ihre sichere Reise und Ankunft bedankten. Zum Abschluss des Tages durften wir unsere Zeit wieder frei nutzen, mit der Vereinbarung, dass wir um spätestens Mitternacht wieder in der Herberge sein sollten.
Tag 6 (Mittwoch)
Um 9:30 Uhr mussten wir unser Hostel mit wunderschönem Ausblick auf Bilbao verlassen und machten uns auf den Weg zu unserem Bus. An der Bushaltestelle mitten im Stadtzentrum angekommen, fuhren wir 20min zum Flughafen.
Dort warteten wir alle ungeduldig, da aufgrund eines Fehlers von Seiten der Airline ein paar unserer Mitschüler zunächst für den zweiten Flug, den von Madrid nach München, keine Bordkarten bekommen hatten und zunächst auf der Stand-by-Liste standen. Würden sie am Ende gar nicht nach Deutschland zurückfliegen können? Die Aufregung war groß. Zum Glück verlief nach einigen Verhandlungen durch unsere Lehrerinnen dann doch noch alles reibungslos und wir konnten nach einer kurzen Wartezeit unseren Flug nach Madrid antreten.
In Madrid angekommen warteten wir am Flughafen auf unseren nächsten Flug nach München. Auch hier war wieder etwas Aufregung, denn am Münchner Flughafen streikte Personal der Lufthansa. Davon war unsere Airline zum Glück aber nicht betroffen. Um 15 Uhr hoben wir ab und landeten heil um 17.30 Uhr in München. Nach einer kurzen Verschnaufpause gingen wir los, kauften etwas Kleines zu essen und machten uns danach auf dem Weg zu unserem Zug. Pünktlich um 18.30 Uhr begann die Fahrt, mit einem kleinen Umstieg in Regensburg. Um 21.45 Uhr konnten wir unsere Freunde und Familie in Marktredwitz begrüßen.

