Unübersehbar stehen sie im Atrium, und genauso soll es auch sein: man soll nicht an den Würfeln vorbeikommen, die dort zu einer Pyramide gestapelt sind, ohne sich Gedanken über die Botschaften zu machen, die auf diese Würfel gedruckt wurden. Eine Wertepyramide soll Anstöße geben und zum eigenen Nachdenken anregen, dieses Projekt wird jetzt am WGG angestoßen und in den nächsten Monaten und sogar Jahren noch ausgebaut – die Pyramide soll weiter wachsen.
Die Idee der Werteerziehung an Schulen ist an sich nichts Neues, am WGG haben in den letzten Jahren bereits mehrere Veranstaltungen unter Leitung von Prof. Werner Brendel von der Universität Bayreuth zu diesem Thema stattgefunden, der Kontakt ist seitdem nie abgerissen. Er ist auch der Schöpfer der Werte- und Nachdenkpyramide, die schon zu Beginn des Schuljahres in der Pausenhalle ausgestellt war und ab jetzt regelmäßig zum Einsatz kommen soll. Aber wie genau?
In vielen Gesprächen und Überlegungen kristallisierten sich die Vorstellungen heraus, die am 12. November durch Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann, geladene Gäste und vor allem die Schüler präsentiert wurden. Neben Professor Brendel kamen auch der Selber Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch, der Wunsiedler Landrat Peter Berek und – das Bayerische Fernsehen, das für seine Abendschau einen Beitrag über das Projekt drehte.
Tabea-Stephanie Amtmann sprach in ihrer kurzen Begrüßung von der Herausforderung, in Zeiten von Corona eine Initiative zu starten, bei der es auf gemeinsames Nachdenken und Arbeiten ankommt, das WGG will diesen Mut aber aufbringen, um das Fundament und das Prinzip der Schulfamilie weiter zu stärken. Die einzelnen Bausteine der großen Pyramide können im Unterricht besonders der höheren Klassen genutzt werden, um bestimmte Themen anders anzugehen als gewohnt, um sie vertieft und aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und behandeln. Viele kleine Pyramiden werden entstehen, wenn die jüngeren Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Bausteine erstellen und mit Leben füllen – in den Bausteinen, die z.B. mit den Artikeln des Grundgesetzes beschriftet sind, ist Platz für ganz persönliche Ansichten und Gedanken zum jeweiligen Thema.
Drittes Element ist schließlich ein Projekt von Schülern für Schüler: insgesamt sechs Organisatoren aus den 9. Klassen werden pro Woche einen bestimmten Wertebegriff aussuchen und allen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten zur Verfügung stellen; dieser Impuls soll dazu anregen, seine eigene Meinung zu diesem Begriff zu formulieren und zu präsentieren, denn die Statements sollen im Schulhaus ausgestellt werden. Analog zum Prinzip des Pyramidenbaus fügen sich die verschiedenen Bausteine zu einem Gesamtbildnis, die verschiedenen Bereiche der Werteerziehung ergeben am Ende der Schulzeit ein umfassendes Bild für jeden Einzelnen, was im Leben zählt – für sich selbst genauso wie im Umgang mit anderen.
Weil die praktische Umsetzung dieser Ideen im Mittelpunkt des Projekts steht, war die Auftaktveranstaltung auch kein großer Festakt, sondern vielmehr ein direktes Eintauchen in die Materie. Schülerinnen und Schüler der Q11 beschäftigten sich mit den Themen der großen Pyramide und stellten sich anschließend den Fragen des Abendschau-Teams; Sechstklässlerinnen und Sechstklässlerinnen, aber auch Lehrkräfte, Hausmeister Markus Kulbacki und Sekretärin Carmen Held bastelten fleißig Würfel und füllten sie, während die Mitglieder des „Werte-Impuls-Teams“ die ersten Vorschläge für Statements diskutierten. OB Pötzsch und Landrat Berek kamen mit ihnen intensiv ins Gespräch, bevor sie vom Filmteam des WGG zu kurzen Interviews zum Thema Werte gebeten wurden.
Diese Atmosphäre der engagierten Mit- und Zusammenarbeit soll weiterwirken, damit das Projekt im Lauf der Zeit noch zahlreiche weitere Impulse erhält.
OStR Jens König

