Dezember 2024, kurz vor den Ferien, es ist Zeit für das Weihnachtskonzert des WGG in der Selber Stadtkirche; es ist kurz vor 19 Uhr – und es regnet. Schmuddelwetter wie in den Jahren zuvor, und auch ein Konzert wie in den Jahren zuvor? Ja, auf jeden Fall, weil man sagen darf, dass die Kirche wie in den Jahren zuvor bestens gefüllt war und weil man sagen darf, dass es wieder ein wunderbarer Auftakt in die letzten Tage vor dem großen Fest war. Aber auch ein klares Nein, weil es natürlich kein Konzert wie jedes andere war, es war wieder eine ganz besondere und einzigartige Veranstaltung, die das Wetter und die Hektik für gut eineinhalb Stunden vergessen ließen.
Eingeläutet wurde der Abend von den Glocken der Stadtkirche und Dekanatskantorin Constanze Schweizer-Elser, die mit dem Menuet Gothique von Léon Boëllmann alle Gäste begrüßte. Schulleiterin Tabea-Stephanie Amtmann schloss sich der Begrüßung an und stellte gleichzeitig die Frage, ob eigentlich Zeit und Stimmung für das Weihnachtsfest in diesen Tagen gegeben sind angesichts so vieler Spannungen und Krisen in der Welt. Doch genauso rasch folgte die Antwort: ja, es ist die Zeit, denn es ist die Zeit, in der das Licht der Hoffnung durch Jesus Christus in die Welt gebracht wird – nicht umsonst hat das Friedenslicht gerade auch Station in Selb gemacht. Und genau deswegen hat das Konzert seinen wichtigen und richtigen Platz in den Momenten vor dem Weihnachtsfest. Damit gab sie die Bühne frei für die Chöre und Ensembles, die sich in den beiden Wochen vor dem Abend gründlich auf ihren Auftritt vorbereitet hatten.
Die Schülerinnen und Schüler der Bläserklasse 6cb trugen das Wintergefühl mit „Jingle Bells“ in die Kirche und die Gedanken der Besucher, bei „Ihr Kinderlein kommet“ summte bestimmt so mancher leise mit. Ganz neue Klänge waren von Maja Engelbrecht (Q12) zu hören, denn sie spielte die Melodie des Weihnachtsklassikers „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ auf der Zither und weckte die Vorfreude auf einen gemeinsamen, gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa. Den Film mögen die allermeisten, bei Whams Weihnachtshit „Last Christmas“ scheiden sich oft die Geister – man liebt ihn oder eben nicht. Wie ihn aber das Instrumentalensemble aus der Q12 unter der Leitung von Florian Niedrig präsentierte, ließ niemandem eine Wahl, denn alle Zuhörerinnen und Zuhörer waren von dieser Art der Aufführung begeistert, die Musik allein wirkte, ganz ohne Text. Beim Unterstufenchor war genau herauszuhören, wie sehr sich alle auf Weihnachten freuen und was ihnen das Fest bedeutet, sie übertrugen diese Vorfreude auf „Hört der Engel helle Lieder“ und „Sweet Silent Night“, das gekonnt das traditionelle und bestens bekannte „Stille Nacht, heilige Nacht“ neu arrangierte.
Die Kinder des Unterstufenchors treten hoffentlich noch oft in den kommenden Jahren bei den Konzerten des WGG auf, Jeroen Sigl aus der Q12 nähert sich leider langsam dem Ende der Auftritte als Schüler des Gymnasiums. Auf seiner Gitarre nahm er die Besucherinnen und Besucher einmal mehr mit nach Spanien, das Stück „Capricho Árabe“ von Francisco Tárrega hat einen eher wehmütigen Hintergrund, trotzdem folgten so manche Gedanken sicherlich den Tönen und flogen mit in den warmen Süden. Das kleine, aber feine Vokalensemble aus der Q12 kehrte die Reiseroute anschließend schnell um, in „December in my Hometown“ besang es die Schönheit der Heimat zur Weihnachtszeit und „Merry Christmas“ von Elton John und Ed Sheeran war schlicht die Aufforderung, die Zeit und die Menschen, die man um sich hat, so gut zu genießen, wie es nur möglich ist.
Diese Botschaft kam an, wie der große Applaus verriet – und jeder Auftritt kam an, alle Gäste spürten und honorierten, wie viel Einsatz und Leidenschaft die Gruppen und Künstler in ihre Auftritte steckten. „Do you hear what I hear?“ stammt von Noel Regney und Gloria Shayne aus den 1960ern und ist eine Aufforderung zu Frieden in der Welt, die das Orchester unter Leitung von Florian eindrücklich mit seinem Spiel vermittelte. Die Jazz-AG von Mathias Elser wünschte sich und allen „White Christmas“, die Schneeflocken dürften gerne in dem Tempo fallen, wie das Stück arrangiert war, dann wären die Feiertage ein echtes Wintermärchen. Der Wechsel zwischen beschwingten und besinnlichen Titeln im Programm war gelungen, die Vorfreude auf das große Fest fand genauso viel Platz am Abend wie die Mahnung, die wichtigen Botschaften von Frieden und Liebe nicht zu vergessen hinter all den Geschenken und persönlichen Wünschen. Besonders eindrucksvoll gelang das dem Mittel- und Oberstufenchor, der bei „Carry the Light“ von Andy Beck das Licht der Hoffnung im Wortsinn entzündete und weitergab.
Die nachdenklichen Töne gehören zu einer solchen Veranstaltung dazu, Tabea-Stephanie Amtmann und Dekan Volker Pröbstl fassten sie in ihrem Friedensgebet zum Ende des Konzerts nochmals zusammen. Aber zuallererst ist Weihnachten doch ein Fest der Freude und Liebe, bestens ausgedrückt in „All I want for Christmas is You“ von Mariah Carey, mit dem der Mittel- und Oberstufenchor an der Seite des Instrumentalensembles den Abend abschloss. Wobei – noch nicht ganz, denn das große Dankeschön für alle Mitwirkenden auf und neben der Bühne durfte natürlich nicht fehlen; sie machen ein lebendiges Konzert und auch eine lebendige Schule aus. Zusammen mit den Besucherinnen und Besuchern sangen sie „Macht hoch die Tür“, bevor es wieder in den Selber Regen hinausging. Aber den haben bestimmt die Wenigsten gespürt, denn jetzt, wo die Herzen offen sind für das weihnachtliche Gefühl, wem machen da schon ein paar Regentropfen etwas aus…
OStR Jens König; Fotos: Melanie Miedl

