Wenn aus Teilnehmern Teilgeber werden – ein Barcamp mit dem Leibniz Gymnasium Altdorf

„Viele Kilometer getrennt, aber trotzdem ganz nah“ – mit diesen Worten beschrieb OStDin Tabea-Stephanie Amtmann die tatsächliche bzw. gefühlte Entfernung zwischen dem WGG Selb und dem Leibniz-Gymnasium Altdorf in Mittelfranken und begrüßte die teilnehmenden Lehrkräfte beider Schulen ganz herzlich. Im Rahmen des Pilotprojekts „Digitale Schule der Zukunft“ (DSDZ) war zu einer besonderen Form der Konferenz eingeladen worden, dem Barcamp – auch hier werden also neue Wege beschritten.

OStRin Stefanie Spangler, OStDin Tabea-Stephanie Amtmann, StRin Anke Saalfrank und OStR Stefan Meyer während der Online-Konferenz mit dem Leibniz-Gymnasium Altdorf

Die Un-Konferenz

Beim Barcamp handelt es sich um eine offen gestaltete Konferenz mit Workshop-Phasen, bei denen das Programm und die Inhalte von den Teilgeberinnen und Teilgebern (da sich die Anwesenden selbst einbringen, wird dieser Begriff verwendet) selbständig gestaltet werden. Das Gymnasium Altdorf ist ein geeigneter „Sparringspartner“, erfüllt es doch wichtige Kriterien für einen fruchtbaren Austausch: Auch in Mittelfranken wird mit iPads und Jamf gearbeitet und auch dort gibt es – wie in Selb –  ein engagiertes Medienteam.

Zunächst informierte Alexander Röll, Leiter des Medienteams in Altdorf, über die neuesten Entwicklungen bei der BayernCloud Schule, kurz ByCS. In den Sommerferien solle die Plattform gelauncht werden, endlich sei dann ein datenschutzkonformes kollaboratives Arbeiten möglich. Den Lehrkräften werden 10GB zur Verfügung stehen, den Schülerinnen und Schülern 2 bis 5 GB. Des Weiteren werde es einen Messenger-Dienst geben, den alle Schulen nutzen können. Seit Ostern laufe hier die Testphase, so Röll, und weist dann auf wichtige Funktionen hin, beispielsweise das Einstellen von Ruhezeiten oder das Erstellen verschiedener Chaträume.

Das iPad in der Unterstufe

In Altdorf beginnt man im September mit einer strukturierten Einführungswoche, die von einer Planungsgruppe konzipiert wird. Auch am WGG ist ein ähnliches Vorgehen angedacht. Die Möglichkeit, Intensivierungsstunden in Digitalunterricht bzw. Digitaltraining umzuwandeln, wie es manche Schule praktizieren, wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls diskutiert.

Ein Jahr Pilotprojekt in Jahrgangsstufe 6 – hier berichteten StRin Barbara Niedrig und StRin Anke Saalfrank von ihren Erfahrungen mit der digitalen Heftführung aus dem laufenden Schuljahr – und sind sich für die Fächer Mathematik und Englisch einig: Das iPad sei ein absoluter Gewinn für Übungsphasen, für selbstgesteuertes Lernen, für Differenzierungsmöglichkeiten, bei der Heftführung werde man aber zum analogen Heft zurückkehren, um die Ablenkung möglichst gering zu halten.

Etwas differenzierter die Situation in Jahrgangsstufe 7 am WGG: Hier stellte OStRin Stefanie Spangler die parallele Handhabung von iPad und Heft im Fach Deutsch vor, je nach Art des Hefteintrags. Klar sei, dass Übungsaufsätze mit der Hand geschrieben werden und dass auch Übungsphasen für die schriftlichen Leistungsnachweise sowie die Schulaufgaben selbst analog erfolgen.

Ideen für digitale Leistungserhebungen

In diesem Zusammenhang erläuterte Anna Bonaventura (Gymnasium Altdorf) den Ersatz eines kleinen angekündigten Leistungsnachweises im Fach Geschichte durch eine digitale Informationsbroschüre mit Hilfe der App Book Creator. Fazit der Schüler nach der dreiwöchigen Wochen Bearbeitungszeit: Es war anspruchsvoll, hat aber großen Spaß gemacht und am Schluss konnte jeder auf sein individuelles Endprodukt stolz sein und fühlte sich in seiner Medienkompetenz gestärkt.

Phase des freien Austauschs

In der anschließenden 45minütigen Session tauschten sich die Teilgeberinnen und Teilgeber unter anderem über die Erfahrungen in den MINT-Fächern, in der Organisation und im Bereich Deutsch, Fremdsprachen und Gesellschaftswissenschaften aus.

Die Gefahr der Ablenkung bestehe, diesem Punkt stimmten alle zu. Deshalb sei die Kontrolle durch die Lehrkraft besonders wichtig. Auch das Verhältnis analog vs. digital wurde diskutiert und die Lehrkräfte aus Selb und Altdorf sind sich einig: Es geht nicht darum, das Analoge digital zu machen, sondern eine Kombination aus beidem zu erreichen und das Tablet in Projektphasen zu verwenden. Einige Beispiele aus dem Unterricht:

  • Stationenlernen in Französisch
  • Erstellung von Lernkarteien
  • Wortwolken zu Deutungshypothesen im Fach Deutsch
  • Arbeit mit Fake-Programmen zur Textproduktion
  • Rollenspiel Through the Darkest of Times im Fach Geschichte

Bei der Organisations-Session stand der Bereich Fortbildung im Mittelpunkt. Während am Leibniz-Gymnasium ein Café-Treffpunkt mit digitalen Themen existiert, setzt das WGG auf kurze Online-Tutorials. Aber allen ist klar: Der persönliche Austausch sei am wichtigsten.

Einhelliges Fazit auch am Ende: Eine Un-Konferenz kann sehr gewinnbringend sein!

OStRin Silke Sachs, Mitglied im Medien-Team