Theaterstück „Rotkäppchen muss weinen“

Am 13. Mai 2026 besuchte das Junge Theater Hof mit dem Stück „Rotkäppchen muss weinen“ unsere Schule, genauer gesagt die 8. Jahrgangsstufe und die Klassen 9as und 9b.

Der Titel greift das bekannte Märchen auf, doch die Realität dahinter ist bitterer Ernst. Malvina, ausdrucksstark dargestellt von Anna Bittner, muss in ihren Osterferien den Opa betreuen. Mit ihrem Fahrrad den Berg hinunter, mit Wein und Essen im Korb, alleine. Ihr Großvater nennt sie „Mein Malvinchen“ und „meine kleine Frau“. Doch die Einsamkeit des alten Mannes ist nur eine Fassade, ein Vorwand, um das Mädchen in seine Nähe zu locken. Der Opa nutzt seine Machtposition innerhalb der Familie schamlos aus, während Malvina in ihrem direkten familiären Umfeld auf eine Mauer aus Unverständnis und Ignoranz stößt. Denn der vermeintliche Schutzraum der Familie ist längst zu einem Ort der Gewalt geworden. In einer Welt, die wegsieht, gibt es aber auch andere, die hinsehen: Da sind die Nachbarin des Großvaters, Frau Bitschek, die beste Freundin Lizzy und deren Mutter, und ein Junge, den sie Klatsche nennen. Sie sind für Malvina da, und so lernt sie, mutig zu sein, dass sie ihre eigenen Rechte hüten und beschützen darf, sowie Grenzen zu setzen.

Das Stück zeigt eindrucksvoll, wie schwierig es für Kinder und Jugendliche sein kann, belastende oder übergriffige Situationen zu erkennen und Hilfe zu suchen – insbesondere dann, wenn diese im nahen Umfeld stattfinden. Es macht zugleich deutlich, wie wichtig Aufmerksamkeit, Vertrauen und Unterstützung durch Mitmenschen sind.

Ein besonderer Fokus der Aufführung lag auf den Themen Mut, Freundschaft und dem Erwachsenwerden. Gleichzeitig wurde das Publikum dazu angeregt, hinzusehen und Verantwortung zu übernehmen, wenn etwas nicht in Ordnung erscheint. Denn: Sexuelle Gewalt ist ein gesellschaftlich relevantes Problem. Laut Bundeskriminalamt werden in Deutschland täglich etwa 54 Kinder und Jugendliche Opfer sexuellen Missbrauchs. Die Täter stammen dabei häufig aus dem familiären oder bekannten Umfeld.

Im Anschluss an die Vorstellung fand eine pädagogisch begleitete Nachbesprechung statt. Ziel war es, das Gesehene gemeinsam einzuordnen und die Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren. Neben der Theaterpädagogin waren auch Vertreter der Schutzhöhle e.V. Hof anwesend, die ihre fachliche Perspektive einbrachten.

Dabei wurde unter anderem darüber gesprochen, was als Gewalt verstanden wird. Anhand verschiedener Beispiele – wie dem Erhalt unangemessener Inhalte über das Smartphone, dem Weitergeben von Geheimnissen oder dem absichtlichen Zufügen von Schaden – wurde deutlich, dass Gewalt viele Formen haben kann und nicht nur körperliche Gewalt umfasst. In der Diskussion zeigte sich, dass die Wahrnehmung von Gewalt unterschiedlich ausgeprägt ist und auch psychische Gewalt von vielen als solche erkannt wird.

Zum Abschluss konnten die Schülerinnen und Schüler noch offene Fragen zum Stück stellen. Unter anderem wurde nachgefragt, ob die Handlung auf einer wahren Begebenheit beruht. Dies wurde verneint, jedoch wurde betont, dass die dargestellten Situationen realitätsnah sind und sich in ähnlicher Form tatsächlich ereignen können.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Stück zahlreiche Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken angeregt hat und einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für ein bedeutendes Thema geleistet hat.

Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an den Verein der Freunde, der durch einen großzügigen Zuschuss den Besuch des Stücks unterstützt hat!

Christine Schwemmer