Die Wissenschaftswoche bewegt alle

Bewegung ist bekanntlich gut und wichtig – und am Abend des 17. Februar war sie von ganz besonderer Bedeutung. An einem der kältesten Abende dieses Winters fanden die Abschlusspräsentationen der diesjährigen Wissenschaftswoche der 11. Klassen in den Räumen des WGG statt.

Das Oberthema 2025, zu dem eine Woche lang in Kleingruppen geforscht, diskutiert und gearbeitet wurde, lautete – „Bewegung“. Die verschiedenen Fachschaften hatten Angebote vorgelegt, wie Bewegung in ihrem Kontext verstanden werden kann. Nach einem Impulsvortrag von Tim Hofmann, ehemaliger Schüler des Selber Gymnasiums, zum Thema Hyperloop am vergangenen Dienstag legten die Schülerinnen und Schüler in ihren Teams los. Sie hatten sich für ein bestimmtes Fach und damit eine bestimmte Richtung entschieden, in die ihre Arbeit entwickelt werden sollte. Die Wahl ihrer Mittel war dabei größtenteils frei, es entstanden so Präsentationen auf Stellwänden, PowerPoint-Präsentationen mit eingesprochenen Kommentaren oder interaktive Quizrunden. Videos wurden zusammengestellt und -geschnitten und mit Musik unterlegt, Räume wurden passend eingerichtet, um das Thema bestmöglich und anschaulich darzustellen.

Den Jakobsweg der Pilger konnte man nicht nur auf dem Bildschirm nachvollziehen, Fußspuren führten außerdem zu Informationen über die Bedeutung des Pilgerns in anderen Religionen. In Latein wurde der Bogen von den Olympischen Spielen des Altertums zu denen der Neuzeit geschlagen, im Fach PuG (Politik und Gesellschaft) konnten die Besucherinnen und Besucher selbst ausprobieren, wie nahe Fake News und echte Nachrichten, aber auch die sogenannte Hate Speech und eigene, freie Meinung beieinanderliegen. Ein Trikot des SSV Jahn Regensburg in der Pausenhalle wies den Weg zur Präsentation einer Gruppe im Fach Sport, die sich mit der Rolle von „Turnvater“ Jahn und der Bedeutung von Sport und Bewegung im 3. Reich auseinandergesetzt hatte. Eine weitere Sportgruppe klärte über die „Couch Potatoes“ und ihre Gegenstücke auf, also diejenigen, die Sport bis zum Exzess betreiben, und sie klärte die Frage, wo das richtige Maß an Bewegung liegt und welche positiven Effekte sie bringt.

Viele Stationen waren in den Klassenzimmern des Erdgeschosses zu finden, andere waren rund um das Atrium des WGG angelegt – die Möglichkeit war folglich für alle Anwesenden gegeben, sich vor Ort und aktiv zu bewegen, sicher nicht verkehrt bei den eisigen Temperaturen draußen. Die Schülergruppe, die sich für das Fach Geographie entschieden hatte, stellte die Arten, Ursachen und Folgen von Massenbewegungen im Hochgebirge vor. Viele kennen das Phänomen der Erdrutsche, die hier ausführlich aufzeigt worden sind, darüber hinaus beschäftigte sich die Gruppe mit weiteren morphodynamischen Prozessen, die in ihren jeweiligen Ausprägungen ganz entscheidend das Landschaftsbild mitbestimmen und durch den Klimawandel verstärkt werden.

Im Fach Physik ging es um einen Vergleich verschiedener Motorentypen, einer davon war in einem Miniaturauto auch anschaulich im Einsatz. Osmose und Diffusion sind Fachbegriffe aus der Chemie, praktisch erlebbar wurde ihre Wirkung unter dem Mikroskop, wo man beinahe zusehen konnte, wie sich Zwiebelstücke und Gurkenscheiben veränderten, wenn ihnen Flüssigkeit entzogen oder zugeführt wurde. Im Fach Wirtschaft und Recht untersuchten die Schülerinnen und Schüler das Phänomen der „social mobility“, also der Durchlässigkeit zwischen sozialen Schichten. Während ein Teil sich mit der Messbarkeit, der momentanen Lage und den Gründen dafür beschäftigte, zeigte die andere auf, was man bzw. was die Politik tun könnte, um die soziale Mobilität zu unterstützen. Dabei zeigten sie anhand der Parteiprogramme unterschiedliche Sichtweisen auf. Die Ergebnisse überraschten sicherlich so manchen Betrachter.

Dass Tanz mehr als reine Bewegung ist, wird im ersten Moment nicht für großes Erstaunen sorgen, dass er aber auch vielfältige soziale Komponenten hat, erfuhren Zuhörerinnen und Zuhörer im Audio-Video-Podcast der Musik-Gruppe. Sicherlich war es für alle Schülerinnen und Schüler eine intensive Arbeitswoche gewesen, teilweise erfolgte der letzte Feinschliff noch am Montagvormittag, doch die Ergebnisse konnten sich absolut sehen und hören lassen, und ganz wichtig: das Gefühl zu wissen, wie wissenschaftliches Arbeiten abläuft, werden sie nicht einfach wieder vergessen und in die Endphase der Oberstufe mitnehmen.

Wer die Abschlussveranstaltung nicht besuchen konnte, jetzt aber neugierig geworden ist: viele Schautafeln stehen noch im Atrium des Gymnasiums, zahlreiche Fachgruppen haben QR-Codes erstellt und ausgehängt, über die die Präsentationen oder Filme abgerufen werden können.

OStR Jens König